Wem helfen wir – Flüchtlingen oder Steinen?
Hilfe für Syrien oder für eine Waldkapelle?
Ich möchte mit dem Folgenden niemandem auf die Füsse treten. Darum verrate ich auch nicht den «Ort der Handlung». Dieser kann irgendwo in der Schweiz sein oder in Deutschland, wo ich die vergangene Woche verbracht habe. (Allerdings ist die Waldkapelle, um die es hier geht, nicht so romantisch, aber viel «luxuriöser» als jene, die ich in Bayreuth fotografiert habe …).
Also: In einer Pfarrei steht eine vor Jahrzehnten renovierte Kapelle am Rande eines Waldes. Sie ist nicht gerade das Zentrum des pfarreilichen Lebens. Pro Jahr gibt es dort zwei-drei Taufen – früher wohl weniger, nun Tendenz steigend – und vielleicht eine Trauung. Und jeden Sommer findet dort der Pfarreigottesdienst statt – falls es nicht gerade regnet, wie es in jener Gegen sehr oft der Fall ist.
Wenn diese Messe für die Waldkapelle gefeiert wird, kommt dieser auch die Kollekte zugute. Dieses Jahr aber vergass es der noch recht unerfahrene Pfarrer und schrieb ins Pfarrblatt: «Das Opfer wird für die Syrien-Hilfe aufgenommen.» Da protestierte der engagierte Kapellenverwalter. Nein, wir bekommen es ….
Na ja, wie schon die Grossmutter wusste: Das Hemd ist einem näher als der Rock. Trotzdem: Ich frage mich, was für ein Weltbild dieser Herr hat. Ob er sich vorstellen kann, was syrische Flüchtlinge durchmachen? Und ob er trotzdem mehr «Mitgefühl» hat für die paar Steine, die in seiner Waldkapelle ersetzt werden müssen als mit Menschen, die um ihr Leben kämpfen.
PS: Der Protest hat genutzt: Obwohl es geregnet hat und die Messe in der Weltkapelle ausfiel, fiel das Opfer für Syrien ins Wasser ….
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Ilse Sixt sagt:
Leserbrief – Münchner Merkur – 7.8.2018
Immer nur sammeln. – Wenn in einem Bistum 50 Millionen nicht zu Buche schlagen, muss ich mich wundern, warum Ex- Altprimas N.W. für die Renovierung maroder Gebäude Sponsoren suchen muss? Es ist aber ganz einfach zu erklären: Eine Hauptaufgabe der Institution katholische Kirche heißt bei jeder Gelegenheit: Sammeln, sammeln, sammeln.
Ilse Sixt – Oberpframmern