Wenig Freude am Kardinalat?
Zu den von Paul VI. im Februar 1965 ernannten Kardinälen gehörte auch Charles Journet, der gemeinsam mit Jacques Maritain ein philosophisch-theologischer Weggefährte des Montini-Papstes war. Durch seine langjährige Lehrtätigkeit im Freiburger Priesterseminar sowie seine Zeitschrift Nova et Vetera wurde der gebürtige Genfer zu einer Art Institution der westschweizerischen Theologie. Zu Beginn des Konzils Mitglied der vorbereitenden theologischen Kommission, verunmöglichte seine Schwerhörigkeit bald die weitere Mitarbeit.
Seinem Biographen Jacques Rime zufolge verfolgte Journet den Beginn des Konzils «nicht ohne Beunruhigung (…) Seine Studie über die Konstitution Lumen Gentium versuchte stärker die Kontinuität der konziliaren Ekklesiologie und der theologischen Tradition aufzuzeigen als deren neue Akzente, besonders den Leitgedanken vom Volk Gottes, zu beschreiben. (…) Ernannte ihn Paul VI. zum Kardinal, damit er die Situation anders betrachtete und sich in die Konzilsarbeiten einbrachte?» Dies, so Rime, ist jedenfalls eine Vermutung des früheren Freiburger Bischofs Mamie, einst Journets Sekretär. Andererseits: «Man kann (in der Ernennung zum Kardinal) auch eine Anerkennung seines Werkes und des Werkes Maritains sehen (…)».
Die Bischofsweihe spendete der Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg, François Charrière, am 20. Februar 1965, zwei Tage vor dem Konsistorium in Rom. Ob Journet an der Kardinalswürde Freude hatte, ist eine andere Frage: «Diese Ernennung stellte für ihn bekanntlich eine Erprobung dar und er bemühte sich, die Insignien seiner Würde so wenig wie möglich zu tragen.»
(mq; Jacques Rime, Charles Journet, biographie. In: Marta Rossignotti Jaeggi, Guy Boissard [Hg.], Charles Journet: Un témoin du XXe siècle. Paris 2003, 15-31, Zitate 30).
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