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Von der Einbahnstrasse zur Wechselwirkung

Das Treffen in Ariccia zum Schema XIII hat die Kirche verändert, nicht die moderne Welt. Es hat allerdings für die Kirche wieder eine Chance aufgeschlossen, mit der Welt, wie sie ist, in Kontakt zu treten. Seit diesem Treffen steht der Kirche offen, reale Lebensfragen und dogmatische Probleme auf Augenhöhe zu behandeln. Beides ist nötig, um mit dem Glauben im gegenwärtigen Modus handeln zu können. Bereits die Botschaft Jesu ist von beidem geprägt und arbeitet eine Wechselwirkung aus, die Reich Gottes heisst.
Genau die Fähigkeit, damit zu handeln, war der Kirche in der Moderne verloren gegangen. Sie war als societas perfecta so sehr auf den Staat als ihr Gegenüber fixiert, dass sie lediglich Moral als Bindeglied zwischen Glauben und Leben aufgreifen konnte. Das führte allerdings zu einer Einbahnstrasse von innen nach aussen. Ein Weg von aussen, also vom Leben der Menschen, wie es nun einmal ist, auf die Darstellung des Glaubens, wie es für die Lehre dann nötig ist, war ausgeschlossen.
Noch bis in den Herbst 1964 hinein stand der Carabinieri der Einbahnstrasse, Kardinal Ottaviani, in Hab-Acht-Stellung, dass die vorgesehene Fahrtrichtung nicht verlassen und jeder Umkehrversuch sanktioniert wurde. In Ariccia war er anders als sein Ko-Präsident in der Gemischten Kommission, Kardinal Cento, nicht präsent. Streng genommen musste Ottaviani auch nicht präsent sein, es ging ja erst um die Redaktion. Das Schild «Einbahnstrasse» war bereits im Herbst 1964 entfernt worden, mehr war aber noch nicht geschehen. In Ariccia wurde nun die zweite Fahrspur gebaut. Seither geht nur mehr die Wechselwirkung auf Augenhöhe zwischen Glauben und Leben, Dogma und Geschichte, Pastoral und Menschheit. Das Transportfahrzeug für diese Wechselwirkung zu bauen, war in Ariccia jedoch nicht gelungen. Vor allem der Text über die Gegenwartswelt war dafür schlicht zu defizitär; ihm fehlten die Räder, weil er die Zeichen der Zeit unterschlägt. Das sollte sich sehr bald rächen.
(Hans-Joachim Sander)

13. Februar 2015 | 00:04
von Konzilsblogteam
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