Trilogie zum Abschied II
a) Die schweizerische Duz-Kultur und das Kumpanentum.
Schon als Gymnasiast erschauerte ich, wie mir bewusst wurde, dass in der Partei, in die ich eingetreten war (nur keine Sorge: ich habe sie schon längst verlassen), alle einander grundsätzlich duzten. Das war für mich unvorstellbar und ist es bis heute geblieben. Der Widerwillen, mich auf alle möglichen Menschen so intim einzulassen, ist im Verlauf der Jahrzehnte sogar angestiegen und führte mich immer wieder an den Rand eines gewissen ekligen Unbehagens. Ganz egal um welchen Verein oder Club es sich handelt, in dem man – weil man Freude an einer gemeinsamen Sache hat – eingetreten ist, da ist es doch eine ganz andere Sache, alle Mitglieder so nah an sich heran zu lassen. Für mich ist es unvorstellbar, mit jemandem per Du zu sein, der nicht meine ethischen und ästhetischen Minimal-Standards repräsentiert.
Ich zähle darum nun ganz bewusst – und weiss, dass ich meinen Ruf ramponiere – einige Beispiele der vergangenen vielen Jahre auf:
– Herren beim Golf-Spielen, die während den guten vier Stunden, die das dauert, mir das Spiel mit ihren machistischen, frauenverachtend-sexistischen und homophoben Sprüchen zur Hölle machten (gilt übrigens auch für Stabsoffiziere in der hehren Schweizer Armee, die waren dann einfach noch betrunken dabei…);
– für mich ästhetisch grauenhaft wirkende Menschen (tätowiert, rauchend, verpierct etc.), die mir im Rahmen einer beruflichen oder gesellschaftlichen Veranstaltung über den Weg liefen;
– oder – Höhepunkt aller Zumutungen, was kaum eine/n Leser/in wundern wird – Menschen, die mir politisch-ideologisch diametral gegenüberstanden (»Freie Fahrt für freie Bürger»; «Das haben wir den Linken und Netten zu verdanken»; und was Neofaschistisches sonst noch denkbar ist).
Dazu kam als abschliessender tadelnder Höhepunkt das Argument eines klassischen Anpassers und Mitläufers: «Das sind doch alles Deine Kollegen». Nein, waren sie nicht, sind sie nicht. Basta.
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