Konzilsblogteam

Ein ambivalenter Papst

Die Kleiderfragen für Kardinäle und wohl auch die Frage der Rangordnung von Patriarchen und Kardinälen waren im Grunde Petitessen, welche die Kirche immer noch als höfische Organisation kennzeichneten, die sich nur zu geringfügigen Änderungen ihres Zeremoniells in der Lage sah. Sowohl die lateinische als auch die orthodoxen Kirchen verhandelten damit Anerkennungsrituale, die binnenkirchlich und kirchengeschichtlich bedeutsam waren, aber noch lange keine Bewegung zur Gegenwartswelt darstellten.
Mit der Ende Januar 1965 angekündigten Ernennung neuer Kardinäle, die für das Konsistorium am 22. Februar 1965 vorgesehen war, sind jedoch auch Hinweise auf den Weg der Kirche nach dem Konzil gegeben worden. Papst Paul VI. zeigte sich dabei wieder einmal in der ihm eigenen Ambivalenz. Diese wird auch die Umsetzung des Konzils bis heute noch lange prägen.
Einerseits modernisiert er das Kardinalskollegium. Er erweitert den Kreis der Purpurträger, reduziert die Dominanz italienischer Bischöfe und internationalisiert das Kardinalskollegium. Damit wird er nicht zuletzt der Tatsache gerecht, dass schon kurz nach dem Konzil die katholische Kirche eine Dritte-Welt-Kirche sein wird. Ebenso gibt er mit dieser Personalveränderung Stimmen aus der Weltkirche Gewicht, welche die Vielfalt der Kontexte, in denen die Kirche lebt, hörbar machen. Dies passt zu einer Interpretation des Konzils, wie sie Karl Rahner formulieren sollte: Das Konzil sei ein erster tastender Schritt der katholischen Kirche auf dem Weg zu sich selbst als Weltkirche.
Andererseits markiert Paul VI. anlässlich der Einführung der neuen Kardinäle einen klaren päpstlichen Vormacht-Anspruch. So mindert er das Gewicht der von der Konzilsmehrheit gewünschten Kollegialität in der Leitung der Kirche. Mit diesen Worten skizziert er die Berufung der Kardinäle im Heiligen Kollegium, «das Uns (d.h. dem Papst) mit seiner Autorität, seiner Weisheit und seiner Ergebenheit in der Gesinnung von Brüdern und Söhnen in der Leitung der Gesamtkirche mit Rat und Tat beisteht». Nachvatikanische Konflikte sind längst vorgezeichnet.
(ab; A 4,583)

11. Februar 2015 | 00:04
von Konzilsblogteam
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