Karol Wojtyłas Einfluss auf das Schema XIII
In den Debatten von Ariccia schälte sich eine strategische Alternative in all den unterschiedlichen Themen heraus, die dort zum Schema XIII behandelt wurden.
Erfolgt die Glaubensdarstellung eines pastoralen Lehramtes besser auf dem Boden der eigenständigen Präsenz der Kirche in der Welt oder eher aufgrund einer anthropologischen Basis mit der säkularen Kultur?
Das erste war die Perspektive von Karol Wojtyła, dem Erzbischof von Krakau, der damit von den vorbereiteten Texten abwich. Wie schon im Entwurf der polnischen Bischöfe zum Schema XIII aus der vorherigen Intersession vorgesehen, wollte er die eigenständige Handlungsfähigkeit der Kirche in der Welt stark machen. Das überschritt durchaus die societas perfecta, weil es nicht mehr nur um Sichtbarkeit ging, sondern um Aktionsradien für die Wahrheit des Glaubens; aber die Kirche blieb im Zentrum. Sie solle sich auf die göttliche Berufung der Person heute stützen und den Dialog mit ihr in der Welt suchen. Deshalb werden sich die polnischen Bischöfe gegen die Verurteilung der Kommunisten stellen und nur eine Distanzierung zum Kommunismus akzeptieren.
Die zweite Perspektive, die vom französischen Theologen Pierre Haubtmann in die vorbereiteten Texte hineingeschrieben worden war, wollte auf der Grundlage einer gemeinsamen Anthropologie die Gegenwartskultur – nicht zuletzt die wissenschaftliche – mit dem Glauben verbinden und dafür den Menschen in einem kosmologischen Kontext begreifen. Das war eigentlich ein Integral des französischen Anliegens beim Schema XIII. Diese Stellung des Menschen im Kosmos wurde aber in Ariccia von einigen französischen Periti wie Daniélou zugunsten der Wojtyła-Linie verlassen. Auch die spanischen Vertreter sprachen sich für diese aus. Garrone macht daraufhin den Kompromiss-Vorschlag, dass das Anliegen Wojtyłas, obwohl eigentlich nicht kompatibel mit der anderen Linie, in den Text eingebracht werden sollte. Sein Rat, Teile davon bei der Religionsfreiheit einzuarbeiten, wurde nicht befolgt.
(Hans-Joachim Sander)
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