Politische Opposition
Auf der Rückreise einer Kommissionssitzung macht P. Yves Congar am 16. Januar 1965 in Turin Halt für einen Vortrag. Am nächsten Morgen gibt es Diskussionen zwischen ihm, dem Rektor der Jesuiten und Dominikanern. Man findet, er habe Papst Johannes XXIII. zu positiv dargestellt. «Gewiss hatte er eine grosse Liebenswürdigkeit, aber schlussendlich kann man doch fragen, ob er der Kirche nicht viel Schaden zugefügt hat. Er hat geöffnet. Aber wird man nicht ‹die Wahrheit› opfern?» (Co 2,303). Congar fragt zurück, welche Wahrheiten gemeint seien, und stellt fest «Einige trauern wirklich dem katholischen Ghetto nach. Aber im Grunde ist es eine politische Einstellung. Für sie hat Johannes XXIII. den Frieden mit den Kommunisten gemacht, und das wollen sie nicht» (Co 2,303).
Congar gesteht zu, dass man sich mit Vorsicht öffnen müsse. Dennoch hält er eine Haltung, die einer bestimmten rigiden Vorstellung von Rechtgläubigkeit anhangt und einfach alles weiterführen will, vor allem prinzipiell Strukturen des sozialen und politischen Konservativismus, für die schlechteste aller Haltungen.
Wenige Tage später wird Congar auf extreme Weise mit einem solchen Konservativismus konfrontiert (vgl. am 23.1.2015).
(emf)
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