Ökumene zwischen Rom und Enugu
Als der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen am 12. Januar 1965 im nigerianischen Enugu zu tagen begann, tat er dies unter ökumenischen Vorzeichen, die durch das Konzil von Grund auf verändert waren. In seinem einleitenden Bericht machte Generalsekretär Willem A. Visser’t Hooft freilich deutlich, dass sich in die Freude über das Erreichte auch ein «Gefühl der Unsicherheit» (A 4, 548) mischte. Dieses hatte seinen Grund nicht zuletzt in einigen Vorgängen gegen Ende der dritten Sitzungsperiode: «Die Schatten der ‹schwarzen Woche› reichten also bis Enugu.»
Der Konzilsbeobachter des ÖRK, Lukas Vischer, seinerseits verhehlte in seinem Bericht die nach der dritten Sitzungsperiode bestehenden Schwierigkeiten nicht, schloss aber optimistischer als sein «Chef» Visser’t Hooft, mit dem ihn im Übrigen eine geradezu kongeniale Zusammenarbeit verband: «es sei wichtig festzustellen, dass das Konzil einen Weg eröffnet habe, auf dem es kein Zurück mehr gebe und auf den alle Christen mit Interesse ihre Blicke richteten» (ebd.). Ob die andere Akzentuierung nicht nur dem theologischen und menschlichen Temperament, sondern auch der Zugehörigkeit zu einer anderen Generation geschuldet ist?
(mq)
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