Grenzen der Marienfrömmigkeit
Julius Kardinal Döpfner wirkt als engagierter Übersetzer des Konzils für die Kirche im deutschsprachigen Raum. So predigt er auch in der Weihnachtszeit 1964 über «Maria aus der Sicht des Konzils». Damit greift er die Diskussionen der letzten Konzilsetappe auf, in denen auch Konfliktlinien zwischen unterschiedlichen Frömmigkeitstypen und theologischen Aussagen sichtbar wurden (siehe Konzilsblog vom 8. und 9. Dezember 1964).
Döpfner ordnet Maria dezidiert christologisch ein und folgt damit der Linie von Lumen Gentium: «Die Konzilskonstitution zeigt (…), dass Maria ganz in Christus und aus Christus zu sehen und zu verstehen ist.»
Hinsichtlich der Verhältnisbestimmung zwischen Maria und Kirche macht Döpfner auf die Vielschichtigkeiten der Problemstellung aufmerksam. Dabei stellt er, wieder mit Lumen Gentium, heraus, dass sie bei aller Einzigartigkeit «Glied der Kirche» sei.
Zugleich nennt Döpfner sie aber auch «Urbild der Kirche» – vom Typus her Urbild «der Jungfrau wie der Mutter». Vor diesem Hintergrund sei auch der Titel «Mutter der Kirche» zu begreifen, den Paul VI. zum Abschluss der Konzilsperiode genutzt hatte.
Mit Lumen Gentium 67 schliesslich markiert Döpfner die Grenzen der Marienfrömmigkeit:
«Sorgfältig sollen sie (d.h. die Theologen und Prediger des Gotteswortes) vermeiden, was in Schrift, Wort oder Tat die getrennten Brüder oder jemand anderen bezüglich der wahren Marienlehre der Kirche in Irrtum führen könnte. Die Gläubigen aber sollen eingedenk sein, dass die wahre Andacht weder in unfruchtbarem und vorübergehendem Affekt noch in irgendwelcher Leichtgläubigkeit besteht, sondern aus dem wahren Glauben hervorgehen muss.»
(ab; Julius Kard. Döpfner: In dieser Stunde der Kirche, München 1967)
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