«Unangebrachte Scherze» über die Gottesmutter
Das Schema über die Kirche wurde während des Konzils immer auch mit einer mariologischen Unterströmung diskutiert. Ein intensiv umstrittener Begriff war die Ehrenbezeichnung «Mutter der Kirche» für Maria. Einige Äusserungen von Bischof Méndez Arceo, der im Namen von 40 lateinamerikanischen Bischöfen sprach, erregten grossen Widerspruch und gaben der Debatte neuen Auftrieb.
Méndez Arceo wollte den Titel «Mutter der Kirche» grundsätzlich verhindern. «Einigen schwerwiegenden Argumenten, die gegen den Titel sprachen (er sei der ostkirchlichen Tradition fremd und im Westen erst seit kurzem in Gebrauch), fügte er einige respektlose hinzu: Wenn Maria die Mutter der Kirche sei und die Kirche unsere Mutter, dann müsste Maria ja unsere Grossmutter sein; wenn Maria die Mutter der Kirche sei und Maria selber ein Mitglied der Kirche, dann wäre Maria ihre eigene Mutter. (…)
Am nächsten Tag verteidigte L. Castàn im Namen von über achtzig Bischöfen den Titel und kritisierte Méndez Arceos Bemerkungen als ‹unangebrachte Scherze›, welche ‹eines Mannes unwürdig sind, der als Theologe bezeichnet werden möchte›».
Rückblickend wird man sagen können, dass die «Scherze» zu einer Wiederbelebung einer Debatte geführt haben, die damals eigentlich beendet werden sollte.
(ab; A VI, 69)
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