Wie heisse Themen sich abkühlen und doch noch warm sind (II)
Auch um die Kollegialität wurde gestritten; auch die Kollegialität ist heute selbstverständlicher Bestandteil der Ekklesiologie. Die Sache ist hier jedoch komplexer.
War schon die zweite Konzilssession von einem erbitterten Kampf um die Kollegialität gekennzeichnet gewesen, so setzt sich dies in der dritten Konzilssession bis in die letzte Woche hinein fort. Eine kleine, aber hartnäckige Minderheit, die gegen die Rede von der Kollegialität ist, verfolgt unnachgiebig Strategien der Opposition. Die Promulgation von Lumen Gentium macht diesem Streit nur ein vorläufiges Ende.
Denn der Streit um die Lehre ist zwar entschieden; die Praxis der Kollegialität liess in den Jahrzehnten seit dem Konzil jedoch durchaus zu wünschen übrig, worauf Bischof Johan Bonny (siehe hier) jüngst mit aller Deutlichkeit hingewiesen hat.
Die Aufarbeitung der praktischen Defizite ist umso dringlicher, als im ökumenischen Gespräch insbesondere mit den orthodoxen und orientalischen Kirchen die Kollegialität zu den auch katholischerseits sehr häufig angesprochenen Themen gehört. Wie schon zur Konzilszeit deutlich war: ohne eine gelehrte und gelebte Kollegialität kann es keine Annäherung zwischen römischer und orthodoxer Kirche geben. Gelehrt wird sie nun auch (wieder) in der römischen Kirche. Im Leben kann noch nachgebessert werden.
(emf)
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