Konzilsblogteam

Moderator Döpfner als Wächter der Debatte

Die Rahmenbedingungen der Konzilsdiskussion waren in der dritten Konzilsperiode verändert worden. Es gilt eine Redezeitbegrenzung von 10 Minuten. Die Reden mussten fünf (statt vorher drei) Tage vorher in Zusammenfassung eingegeben werden. Diese Regelungen wurden für eine echte Diskussion durchaus als hinderlich angesehen (vgl. A 4,35-37). Hielten die Moderatoren die Diskussion für erschöpft, so konnten sie – mit Zustimmung der Konzilsväter – die Debatte abschliessen. Dann wurden nur noch Redner zugelassen, die für mehr als 70 Konzilsväter sprechen konnten.
Aufgabe der Moderatoren war es ausserdem, Konzilsvätern Einhalt zu gebieten, wenn sie nicht zum Thema sprachen. Besonders gefürchtet scheint in dieser Hinsicht Kardinal Julius Döpfner gewesen zu sein. Als am 21. Oktober 1964 zwei Redner von der Liste verschwunden waren, heisst es zwar, die beiden – Kardinal Ottaviani und Patriarch Maximos – hätten einen gegenseitigen «Nichtangriffspakt» geschlossen, doch vermutet Henri de Lubac, ihre Rede hätte vielleicht zu viele Punkte berührt, die nicht zur Diskussion standen (Lu 2,232). Am Vortag hatte Kardinal Döpfner als Moderator Kardinal Ruffini zur Ordnung gerufen, weil er nicht zur Sache sprach. Ruffini wehrt sich damit, dass erst am Morgen festgelegt worden sei, wovon an diesem Tag die Rede sein solle und er habe seine Rede schon vorher vorbereitet (vgl. AS 3/5,222). Auch Bischof Franziskus von Streng von Basel wird am 23. Oktober zweimal von Döpfner unterbrochen, zunächst, weil er nicht zur Sache sprach, dann, weil er die Zeit überzog (vgl. AS 3/5,370-374).
Am 19. November 1964 unterbricht Kardinal Döpfner den Dominikanergeneral, der – so Lubac – eine banale Eloge des heiligen Thomas vorgetragen hatte und dabei war, seine Redezeit zu überschreiten. Man applaudiert, worin sich nach Lubac auch die Nervosität der Konzilsversammlung inmitten der letzten spannungsreichen Woche entlädt (vgl. Lu 2,330f).
(emf)
 

17. Dezember 2014 | 00:04
von Konzilsblogteam
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