28,4% zu 35,6%
Da ich mit Kollege Grichting konform bin in seiner These, dass sich kirchliche Amtsträger nicht quasi ex cathedra zu politischen Tagesfragen äussern sollen, bei denen es für Christen/innen durchaus verschiedene Haltungen gibt, habe ich hier im Vorfeld von No-Billag bewusst geschwiegen. Nun aber nach geschlagener Schlacht einige Anmerkungen:
a) Das Schlachten heiliger Kühe ist ein heikel Ding. SRG/SSR/RSI sind im ganzen Kontext unserer Geschichte und unserer Vielsprachigkeit als klassische Willensnation so eine heilige Kuh. Auch unsere Armee war dies bis zum Ende des Kalten Krieges. Als Sohn von Eltern, die beide Aktivdienst geleistet haben – Papa unfreiwillig beim Gebirgstrain, Mama freiwillig im FHD – weiss ich, dass der Begriff «Heilige Kuh» sogar eine Untertreibung ist. Die Armee und Radio Beromünster waren Sicherheit schaffende Säulen eines kleinen Volkes ohne Verbündete und ohne militärische Potenz.
b) Ich nahm die GSoA damals darum nicht ernst in dem Sinne, als dass sie wirklich die Armee abschaffen wollte. Sie wollte nur die Finger auf wunde Stellen legen, die sich in der Zeit nach 1945 in dieser wohl einzig wirklichen Volksarmee der Welt eingeschlichen hatten, besonders auf die lähmende Langeweile, die sich für viele junge Männer über den Alltag einer RS und noch mehr eines WK legte. Als Feldprediger begegnete ich zudem unglaublichen Diskrepanzen zwischen dem, was man vom gewöhnlichen Soldaten einforderte, und dem, was das Kader sich so erlaubte… Darum stimmte ich damals JA, ein blosses taktisches Ja. Das Ergebnis des 25./26.11.1989 ist bekannt: 35,6% Ja. Die Armee gibt es auch heute noch, aber sie hat sich radikal reformiert. Und: Es gibt den Zivildienst als Alternative. Also war die Initiative nötig.
c) Vermutlich war No-Billag aus ganz ähnlichen Gründen nötig. Aber das Ergebnis des 03./04.03.2018 ist noch krasser: 28,4% Ja. Ich stimmte diesmal Nein, ganz einfach, weil ich nicht glaube, dass ohne finanziell gut dotierten Schutz der Minderheiten die romanische und italienische Kultur eine Chance haben.
[Ein PS muss sein, denn sonst könnte Protest aus Abtwil folgen: Ex cathedra habe ich allerdings als Präses des Kirchenchores an der HV gesagt, ich sei der Meinung, dass man für die Sanierung des St.Galler Theaters stimmen müsse. Denn da gab es allen Ernstes so komische Parteien, die dies verhindern wollten. Und ich fühlte mich gerufen, zu Gunsten der jungen Menschen, die in den kommenden Jahrzehnten auch in der Provinz Kultur erleben wollen, einzugreifen. Meine Motive waren edel.]
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Karl Stadler sagt:
Das Resultat ist schon recht herausgekommen, wenn die SRG-Manager Wort halten und die Print- und andere private Medien nicht auch im digitalen Bereich aufgrund ihrer durch Gebühren gestützten starken Stellung weiterhin stark bedrängen. Das Argument, die SRG erhalte auf nationaler Ebene die gesellschaftliche Kohäsion und das Gedeihen der Vielfalt regionaler Kulturräume ist und bleibt zweischneidig. Und auffallend ist, dass ausgewiesene Medienfachpersonen wie Roger Schawinski sich bereits im Vorfeld dahingehend verlauten liessen, dass bei offensichtlich bestehendem Sparbedarf bei der SRG u.a. ausgerechnet ein Kanal wie DRS 2 aufgehoben werden sollten. Das mag aufgrund ökonomischer Überlegungen, gemessen an der Grösse des Hörersegments, vielleicht zutreffen. Jedoch lässt es weiterhin die Frage offen, warum man eigentlich mit Zwangsgebühren belegt werden soll.
Im Thema “Militär” kommen wir wohl nicht zusammen. Dass dort seit je der Wahlspruch herrschte “Singä oder secklä” (SoS) ist ein Allgemeinplatz. Gewiss: Oftmals Leerlauf und Langeweile, manchmal aber auch wieder schöne menschliche Erlebnisse. Und bei weitem nicht sämtliche Kadermitglieder erlebte ich als arrogant, hochnäsig, inkonsequent und intellektuelle Weicheier.
Meiner Meinung nach wäre jedenfalls Europa und die CH gut beraten, nicht ausschliesslich auf “Frieden” zu setzen wie die GSoA und den militärischen Schutz ihrer Werte und Institutionen mehr oder weniger erodieren zu lassen. Putin, Xi Jinping, Erdogan, Chamenei und andere mehr demonstrieren auf geradezu klassiche Weise, wie man auch in unserer Zeit unter dem Titel von Refomrversprechen und propagierter Weltoffenheit nach der Macht greifen kann, um im nachhinein mit gewaltigen Anstrengungen sich für deren Erhalt und Ausweitung militärisch auf den modernsten Standard aufzuschwingen und auch mit militärisch konventionellen Mitteln die bestehende geopolitische Balance aus dem Gleichgewicht zu zwingen. Da ist und bleibt ein Trump, trotz aller unflätigen und diskriminierenden Bekundungen, nur ein Grossmaul dagegen.
Der von manchen Linken in den siebziger Jahren auf den Strassen hochgejubelte Maodzedong hat zig-Millionen Menschen auf dem Gewissen. In einem Punkt hatte er wahrscheinlich dennoch recht: “Letztlich entspringt Macht, welcher Art auch immer, zumeist aus dem Gewehrlauf”. Xi Jinping nimmt sich diesen Wahlspruch ganz offensichtlich zu Herzen. Solche anthropologische Gegebenheiten vermag wahrscheinlich niemand auszuradieren, trotz vieler anderslautender theoretischer Ansätze in der Friedensforschung und politischen Philosophie.