Heinz Angehrn

Die vierzig Tage

Es scheint mir angebracht, da diese beiden Texte während meiner (zweitletzten des Lebens!!) Ferienabwesenheit erscheinen, und diese Ferien natürlich wieder im valle di sole stattfinden, auf eine Eigentümlichkeit im Vergleich zwischen römischem und ambrosianischem Ritus einzugehen:

Beginnen wir brav und ordentlich mit der Oration zum Aschermittwoch: «Getreuer Gott, im Vertrauen auf Dich beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Busse …». Die Zahl wird dann im Gabengebet bewusst nochmals erwähnt. Die symbolische Bedeutung und Herkunft ist uns natürlich sowohl aus dem Alten Testament (Wüstenwanderung, vgl. einerseits das vierzigtägige Verweilen des Mose auf dem Sinai – Ex 34,28 – sowie andrerseits die Bestrafung des Volkes wegen seiner Zweifel zu gleich viel Jahren, wie die Kundschafter Tage gebraucht hatten – Num 13f) wie aus der Geschichte von der Versuchung Jesu (Mk 1,12f par) bewusst und bekannt. Vierzig steht biblisch gesehen für Läuterung und Erneuerung, und das braucht seine Zeit.

Nun geht es aber an das Zählen dieser vierzig Tage! Bei den fünfzig Tagen der Osterzeit ist dies eine einfache Sache, einfach sieben Wochen bis Pfingsten, das geht auf. Aber die Fastenzeit ist ein tückisch Ding, denn die Zählung hängt davon ab, an welchen Tage wirklich «Umkehr, Busse und christliche Zucht» geübt werden sollen.

Der römische Ritus hat Verständnis für die Schwachheit des Menschen, der doch nicht vierzig Tage lang seine selbst gefassten Vorsätze von Enthaltsamkeit und Einfachheit durchhalten kann. Darum gehören die Fastensonntage nicht dazu, immer von Sonnenuntergang am Samstagabend an bis Mitternacht am Sonntagabend darf wieder voll zugeschlagen werden. Und am Montagmorgen 00:01 beginnt wieder die Zucht. Darum der Beginn mit dem Aschermittwoch. Nur ein Tag fällt aus dem Rahmen: Der Hohe Donnerstag ist eigentlich schon ein Hochfest. Ob da gefastet oder gefestet werden soll, bleibt offen.

Im ambrosianischen Ritus sind die Gebräuche härter: Die Sonntage gehören auch zur Fastenzeit, die vierzig Tag werden en bloc begangen. Darum gibt es keinen Aschermittwoch, darum beginnt die «ambrosianische Fasnacht» erst am Donnerstagmorgen danach mit dem «canto del gallo» (zumindest in Ludiano) und dauert exakt bis Samstag-Mitternacht. Und dann wird in den Eucharistiefeiern zum ersten Fastensonntag die Asche gesegnet und aufgelegt: «Ricordati, uomo, che sei polvere e polvere diventerai.»

Es wünscht Ihnen eine hilfreich-heilende Zeit, ob en bloc oder unterbrochen.
Der Bloggende

 

21. Februar 2018 | 06:00
von Heinz Angehrn
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