Luzern Fasnacht © Walzer Ludin
Walter Ludin

Fasnächtlich gepredigt

«Dass so etwas Schönes keine Sünde ist.»

Es war vor etlichen Jahren. An einem wunderschönen Wintertag machte eine Gruppe prominenter katholischer Kirchenleute eine Skiwanderung. Plötzlich rief einer von einer angesichts der verzauberten Schneelandschaft begeistert aus: «Dass so etwas Schönes keine Sünde ist.»

Dahinter steht die Erfahrung, die sicher auch viele von uns machen mussten: Was schön und angenehm ist, macht entweder dick oder ist Sünde.»

Dies gilt ganz Besonders für diese fasnächtlichen Tage. Fromme Seelen sahen oder sehen immer noch hinter dem fröhlichen Treiben überall Sünde. Und für Sünde muss bekanntlich gebüsst werden, auch stellvertretend für andere. Darum gab es in der Fasnacht den Brauch des 40stündigen Gebets, wie wir es vor 40 Jahren noch im Freiburgerland erlebt haben. Im Internet finde ich dazu die Aussage:

«Zur Mitte des 19. Jahrhunderts ging die «Mutter Kirche» zum Gegenangriff gegen die karnevalistischen «Lustbarkeiten» und Ausschweifungen der Narren über. Ihre erfolgreiche Waffe: das Vierzigstündige Gebet.»

Eine Zwischenbemerkung:

Mein witziger Appenzeller Mitbruder Rigobert Matzenauer hat mir in seinen alten Tagen begeistert Folgendes erzählt: Als Fünfjähriger ging er in Appenzell mit seiner Tante durch das fasnächtliche Treiben in die Kirche zum 40-stündigen Gebet. Als der Priester im Rauchmantel für den Eucharistischen Segen auftrat, rief der Appenzeller Bub: «Das esch de allerschönschti Böög!» Die Reaktion der Tante muss ich Ihnen nicht beschreiben … –  So weit die Zwischenbemerkung.

Im Vordergrund des 40-stündigen Gebetes stand selbstverständlich die Busse für die sexuellen Sünden. Hingegen ist nicht bekannt, dass die Kirche ähnlich energisch für andere Sünden büsst:

  • Ich denke da an die Sünden gegen die Umwelt: Ein Beispiel: Wie viele fliegen 10, 15 Stunden, um an einem Südseestrand einige Tage an der Sonne zu liegen statt in den Zug zu steigen, und in fünf Stunden an einen italienischen Strand zu reisen, wo sie das gleiche Vergnügen haben können?
  • Oder denken wir an die wirtschaftlichen Sünden: Gerade in den letzten Tagen wurde vom Bundesrat vorschlagen, dass Schweizer Waffen auch in Länder ausgeführt werden können, in denen Bürgerkrieg herrscht.

Frage: Wann rief die Kirche zu einem auch nur vierminütigen Bussgebet für solche sehr aktuellen Sünden auf?

Entschuldigen Sie bitte, dass ich hier so ernste Töne anschlage. Dabei wollte ich eigentlich ein Thema behandeln, das einigermassen zur Fasnacht passt.

Darum möchte ich daran erinnern, dass die Botschaft Jesu nicht nur und nicht in erster Linie um Askese, Abtötung oder eben um Busse geht. Die wichtigste Schrift, auf die wir Christen und Christinnen uns stützen, heisst ja EVANGELIUM, d.h. FROHE BOTSCHAFT. Und an wichtiger Stelle sagt Jesus: «Ich bin gekommen, damit die Menschen das Leben haben, das Leben in Fülle.»

Deshalb können wir als Glaubende frohe, fröhliche Menschen sein, und dies keineswegs nur an der Fasnacht.

Doch wie oft sind wir missmutig, mürrisch, unzufrieden. Mit vielen machen wir unser Glück selber kaputt, wie es in einem Schlager von Katja Eppstein aus dem Jahre 1975 heisst. Ich würde das Lied gerne vorsingen, wenn ich singen können täte  (sehr schönes Deutsch!!) So muss ich es halt rezitieren und beschränke mich auf den Refrain:

«Ja
die Hälfte seines Lebens
lebt der Mensch total vergebens
weil er sich sein Glück vermiest
statt es geniesst.
Denn die Hälfte aller Sachen
die dem Menschen Freude machen
macht er selber sich kaputt im Übermut
das ist nicht gut!»

Nur ganz kurz zwei Beispiele dafür, wie wir uns selber unglücklich machen:

  • Wir fragen uns allzu oft: «Was denken die Leute …?» Und so richten wir uns an den Erwartungen – oder an den vermeintlichen Erwartungen – der Nachbarn, der Kollegen aus – statt zu fragen: «Was tut mir gut?» Was möchte ich?»
  • Etwa Zweites, ganz Ähnliches: Wir richten uns aus an dem aus, was «man» tut, an den Konventionen, den stillschweigenden Übereinkünften. Bekannte von mir sagen jeweils, wenn die Rede davon ist, was «man» tut: «Der ›man’ ist tot.
  • Ein Letztes: Es gibt die Geschichte von einem gewissen Herrn K., der Mitglied einer Arbeitsgruppe war, die ein scheinbar ganz wichtiges Dokument vorbereiten musste. Herr K. fragte seine Kollegen: «Was würde geschehen, wenn wir das Papier nicht erarbeiten würde?» Niemand kannte eine Antwort. Darum sagte Herr K.: «Also jassen wir lieber!»

Im Klartext: Vieles, was unheimlich wichtig ist, ist es gar nicht. Darum beschäftigen wir uns oft angestrengt mit Unnützem – und verpassen darum unser Glück.

 

Luzern Fasnacht © Walzer Ludin
9. Februar 2018 | 08:28
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 3  Min.
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