Wo anfangen? Wo nicht aufhören?
Das Ganze und seine Teile – ein schier unendliches Thema. Wer das Ganze des II. Vaticanums erfassen will, kann ebenfalls verschiedene Zugänge wählen – die ihrerseits Rückwirkungen auf die Frage nach dem Ganzen und seinen Teilen haben.
Wenige Tage nach dem 50. Jahrestag der Verabschiedung der Kirchenkonstitution stellt sich die Frage, ob und wenn ja, wie man das Konzil insgesamt von Lumen gentium her in den Blick nehmen kann. Dabei kann es freilich nicht darum gehen, die eine gegen die andere Konzilskonstitution auszuspielen. Vielmehr hilft ein je akzentuierter Zugang, durch eine konkrete Perspektive mitunter verborgene Schätze des Konzils zu heben, ohne sie zu verabsolutieren, und gerade so den notwendigen Blick für das Ganze immer anzumahnen.
Als Erzbischof von Marseille unternahm es der spätere Kurienkardinal Roger Etchegaray, das gesamte Werk des Konzils von Lumen gentium her darzustellen. Dabei rückte er zwei Leitmotive aus der Enzyklika Ecclesiam suam Pauls VI. vom 6. August 1964 in das Zentrum seiner Betrachtungen: Das zu vertiefende Bewusstsein der Kirche von sich selbst einerseits und die Dialogwerdung der Kirche im Blick auf die Welt andererseits. Wie Etchegaray betont, handelt es sich dabei um Variationen des Doppelmotivs ad intra – ad extra, das seit der Eröffnungsansprache Johannes› XXIII. am 11. September 1962 die Konzilsarbeiten prägte. Ihre Synthese finden die beiden Motive nach Etchegaray in einem weiteren Zitat Pauls. VI., durch das letztlich auch die Verbindung zwischen Lumen gentium und dem gesamten Textcorpus des Konzils aufgezeigt wird: Paul VI. betonte im September 1964, dass die Kirche kein Selbstzweck ist, sondern ganz von Christus her und zu Christus hin zu denken sei. «Und wenn später einmal Historiker fragen, was die Kirche während des II. Vaticanums machte, wird die Antwort sein – und hier lassen wir nochmals den Papst zu Wort kommen: ‹Die Kirche liebte! Sie liebte Christus, sie liebte alle Menschen›».
(mq; vgl. Roger Etchegaray, Un survol de l’oeuvre conciliaire à la lumière de « Lumen gentium ». In: Gérard Defois (Hg.). Le Concile. 20 ans de notre histoire. Paris. Desclée 1982, 55-69).
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