Konzilsblogteam

Die «Schwarze Woche» im November 1964

Am 6. November ist man besorgt, weil das veränderte dritte Kapitel von Lumen gentium mit den eingearbeiteten Modifikationen noch nicht verteilt ist. Tatsächlich ist in Sachen Kollegialität ausserhalb der Konzilsaula und vor allem in Richtung des päpstlichen Schreibtisches gearbeitet worden, um die Verabschiedung des Kapitels über die Kollegialität zu verhindern. So wurde dem Papst eine Bittschrift zugesandt, die ihm vorschlug, ohne Befragung des Konzils in einem primatialen Akt, mit dem seine Autorität praktisch demonstriert würde, die Verabschiedung von Lumen gentium zu verschieben und explizit die fehlende Eignung des Textes zu deklarieren.
Um diese Kritiker zurückzubinden bzw. zu beruhigen, entstehen auf Wunsch Papst Pauls VI. Textvorschläge, welche die Einwände zurückweisen sollen. Auf den 12. November werden die Mitglieder der Theologischen Kommission ohne die Experten zusammengerufen. Aus bisherigen Textentwürfen ist nun ein Text entstanden, der als «Nota explicativa praevia» (ohne durch das Konzil diskutiert und abgestimmt zu werden) dem Text von Lumen gentium beigegeben werden soll. Diese Erklärung enthält in ihrer definitiven Fassung Erläuterungen, welche die Autorität des Papstes unterstreichen, um auszuschliessen, dass die Aussagen über die Kollegialität im dritten Kapitel von Lumen gentium den päpstlichen Primat beeinträchtigen.
Am Sonntag, 15. November 1964, schlagen die Wogen bereits hoch. Die hinterher sogenannte Schwarze Woche hat begonnen. In der 5bändigen Konzilsgeschichte von Giuseppe Alberigo wird diese Woche von Luis Antonio G. Tagle, heute Erzbischof von Manila und Kardinal, auf 80 Seiten analysiert.
(emf; vgl. A 4,449-530)

15. November 2014 | 00:03
von Konzilsblogteam
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