Konzilsblogteam

Notwendige Erneuerung der Theologie

«Wehe dem Leser eines einzigen Buches. Wehe der Kirche eines einzigen Lehrers»: In der Diskussion um Leitlinien der Priesterausbildung unterstreicht Kardinal Paul Émile Léger am 14. November 1964 die in der Konzilsvorlage schon angelegte Überwindung der traditionellen Fixierung auf die Scholastik. Er freue sich darüber, dass der Text nicht übermässig auf der Lehre des heiligen Thomas bestehe – nicht um deren Wert zu mindern, sondern weil deren übertriebene Bevorzugung und Geltung vermieden werden müsse. Nicht das System und die Lehre des heiligen Thomas sollen aufgenötigt, sondern seine wissenschaftliche Haltung als Vorbild des Forschens und schöpferischen Denkens in der Theologie vorgestellt werden.
Auch in der Philosophie müsse die Fixierung auf die sog. scholastische Philosophie (als philosophia perennis) gebrochen werden. Tatsächlich gebe es gar keine einheitliche scholastische Philosophie, sondern nur mehrere scholastische Systeme, die sich voneinander durchaus unterscheiden. Vor allem aber gebiete die Philosophie (mit den Worten des Thomas) «nicht von einer Autorität auszugehen, sondern von der Suche nach dem Wirklichen. Das Ziel der Philosophie ist nicht, zu wiederholen, was die Autoren geschrieben oder gedacht haben, sondern zu erforschen, was die Dinge sind».
Vor allem aber möchte Léger die theologische Ausbildung für den Dialog mit der Welt öffnen. Mehrere Jahrzehnte lang hätten die Theologen nur im Gespräch mit mittelalterlichem Denken gestanden; demgegenüber gelte es, die Probleme, die Gedanken und die Sprache der gegenwärtigen Welt zu beachten. Einer Erneuerung bedürfe auch die Moraltheologie, die mit ihrer Kasuistik zu bequem im Legalismus, Juridismus und Moralismus ruhe. «Wenn ich es aussprechen darf, sie scheint mir sekundär und nicht völlig christlich zu sein».
(emf; vgl. AdF 2,174-177; AS 3/7,708-711)

14. November 2014 | 00:03
von Konzilsblogteam
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