Eine Lawine für den Frieden auslösen
Eine feierliche und energische Verurteilung des Nuklearkrieges erhofft Patriarch Maximos Saigh von der Konzilsversammlung. Wenn über 2000 Bischöfe aus der ganzen Welt zugunsten des Friedens einträten, würde dies möglicherweise den Gang der Geschichte verändern und das Geschick der Menschheit verteidigen können.
Angesichts der zerstörerischen Bedrohung der Menschheit durch die nukleare Aufrüstung artikuliert der Patriarch am 10. November 1964 einen Alarmschrei, einen Schrei der Angst und der Verzweiflung. Er wirbt dafür, die traditionelle Lehre vom gerechten Krieg zu verabschieden. «Welcher hinreichende Grund könnte in einer gesunden Moral eine Vernichtung rechtfertigen, die eine weltweite Katastrophe bedeuten würde? Kann man eine Zivilisation und ganze Völker unter dem Vorwand, sie zu verteidigen, vernichten?»
Der Patriarch knüpft an die Enzyklika Pacem in terris und an die bereits vorgesehenen Aussagen der Pastoralkonstitution an, findet sie aber nicht hinreichend. «Es braucht von Seiten des Konzils eine Erklärung Urbi et Orbi, eine klare, deutliche und präzise Erklärung». Patriarch Maximos hegt die Hoffnung, dass eine solche radikale Verurteilung des Krieges der Schneeball sein könnte, aus dem eine Lawine hervorgeht. «Denn jede Wahrheit enthält eine Kraft, in die Seelen einzudringen und sich auszuweiten. Andere zivile oder religiöse Autoritäten könnten unserem Beispiel folgen. Ein weltweiter Aufstand von Meinungsäusserungen könnte die Regierungen, die in ihrem nationalen Denken gefangen sind, zu mehr Reflexion verpflichten. Sanktionen unterschiedlicher Natur könnten ins Auge gefasst werden. […]
Um der Liebe Christi, des Menschenfreundes und Königs des Friedens, willen bitten wir Sie und flehen Sie an, eine feierliche und energische Verurteilung jeglichen nuklearen, chemischen und bakteriologischen Krieges vorzunehmen. Möge dieses heilige Konzil eine Botschaft an die Welt richten, nach dem Beispiel jener Botschaft, mit der wir unsere konziliare Arbeit begonnen haben, um prinzipiell jeglichen Nuklearkrieg in all seinen Formen zu verurteilen und um zu verlangen, dass die Milliarden, die durch die Abrüstung eingespart werden, zur Linderung der Not der armen Menschheit eingesetzt werde, von der zwei Drittel sich nicht sattessen können und die an allem Mangel leiden».
(emf; AS 3/7,50f)
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