Konzilsblogteam

Der schwierige Weg zu einem neuen Missionsverständnis

Eindringlich wendet sich Guy Marie Riobé, Bischof von Orléans, am 7. November 1964 an die Konzilsväter: Das Elend der Lehre über die Mission müsse endlich überwunden werden. Das Hin- und Herschwanken zwischen einem wirklich theologischen und einem rein juristischen Missionsbegriff müsse aufhören (AdF 3, 526).
Kaum ein Text des Konzils zeigt die Herausforderungen des neuen Kirchenbegriffs besser als der Missionstext. Hier führte die Aufgabe des «Durchdeklinierens» des neuen Kirchenverständnisses des Konzils zu einer Überforderung. Das Konzil wurde einmal mehr als eine etwas schwerfällige «Lerngemeinschaft» sichtbar. Bis heute gilt es noch begreifen zu lernen, was die Konzilsaussagen über Kirche und über ihre Sendung bedeuten.
Fast schon prophetisch kann in diesem Zusammenhang ein Redebeitrag von Pieter Moors, Bischof von Roermond gesehen werden. Er formuliert darin jene Grundzüge einer echten Missionstheologie, um die Riobé so sehr warb, und die an spätere Aussagen Pauls VI. über die Mission (Evangelii Nuntiandi, 1975) erinnern: Die Kirche begegne bei ihrer missionarischen Tätigkeit Menschen und Kulturen, in denen das Reich Gottes und die Erlösung durch Christus schon wirkkräftig gegenwärtig seien. «Unter der Voraussetzung der Gegenwart dieser Gnade muss es zur Berührung oder Begegnung zwischen der Kirche und jenen Kulturen kommen.» Hier müsse die Kirche sehr selbstkritisch über ihre Gestalt und ihr Auftreten gegenüber anderen Kulturen nachdenken. So solle «die Begegnung der Kirche mit den nichtchristlichen Kulturen erst einmal zur Bereicherung der Kirche selbst führen.» Ebenso müsse die Kirche für die Gefahr sensibel sein, dass mir ihrem weltweiten Auftreten auch die Schattenseiten der westlichen Kultur verbreitet würden, was einheimische Kulturen beschädigen könne. In der Konsequenz für das Missionsverständnis stellt Moors den Zeugnisbegriff ins Zentrum: «Denn es geht dabei um das Zeugnis der gegenwärtigen Kirche in der nichtchristlichen Welt und nicht nur um die Bekehrungsarbeit an der Einzelperson» (AdF 3, 525).
(ab)

7. November 2014 | 00:09
von Konzilsblogteam
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