Ehetheologie: alles klar oder Reflexionsbedarf?
Alles, was zu sagen ist, ist schon bestens gesagt in den Enzykliken Pius’ XI. und XII., so meint Kardinal Ruffini von Palermo am 29. Oktober 1964 gegen Anfang der Konzilsdiskussion über das Thema Ehe und Familie. Andere Konzilsväter sind anderer Meinung. Sie meinen, dass es eine Reflexion braucht, um zu ergründen, «ob wir bisher alle Gesichtspunkte der Lehre der Kirche über die Ehe genügend klar dargelegt haben». So weist Kardinal Suenens darauf hin, dass die biblische Aufforderung «Wachset und mehret euch» auf Kosten der anderen Weisung «die zwei werden ein Fleisch sein» überbewertet worden sei. «So wird es Aufgabe der Kommission sein zu untersuchen, ob wir nicht das Eheziel der Fortpflanzung zu sehr urgiert haben, so dass das ebensosehr geforderte Eheziel des Wachsens der ehelichen Gemeinschaft ins Hintertreffen geraten ist».
Auch müsse die Kirche die wissenschaftlichen Fortschritte integrieren und in deren Licht die herkömmliche Ethik überprüfen. «Wer sieht nicht, dass wir dadurch vielleicht zu weiteren Untersuchungen geführt werden über das, was ‹gemäss oder gegen die Natur› ist? Folgen wir dem Fortschritt der Wissenschaft! Ich beschwöre Sie, meine Brüder, vermeiden wir einen neuen ‹Prozess Galilei›. Ein einziger genügt für die Kirche».
(emf; vgl. AS 3/6,52-54.57-59)
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