Die Seligsprechung von Papst Paul VI.
Die Selig- oder Heiligsprechung von Päpsten, die erst vor kurzem verstorben sind, ist eine heikle Angelegenheit. Iso Baumer hat dies in der «Schweizerischen Kirchenzeitung» bezüglich Johannes Paul II. folgendermassen auf den Punkt gebracht: «Die hervorragenden persönlichen Eigenschaften des Papstes [= Johannes Paul II.], seine Konsequenz in der Leitung der Kirche, seine politische Wirkung stehen ausser Zweifel. Aber es ist eine schlichte Erfahrungstatsache, dass eine Persönlichkeit von weltgeschichtlicher Bedeutung nicht unmittelbar nach dem Tod richtig erfasst werden kann. Und erst dieser Papst: Er hat so viel gesagt, geschrieben, entschieden, dass es schier unübersichtlich ist. Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat in einem Gespräch mit drei andern deutschen Kardinälen gesagt, Johannes Paul II. habe zu viele Selig- und Heiligsprechungen vollzogen, zu viele Reden gehalten, zu viele Schreiben verfasst, zu viele Reisen unternommen – und es sei nur zu begrüssen, wenn etwas Ruhe einkehre. Kann man nicht schon sagen, dass dieses zur Vorsicht mahnen müsste?» Diese «Ruhe» ist uns auch unter Franziskus nicht gegönnt, auch wenn der gegenwärtige Papst mit der Heiligsprechung von Johannes XXIII. und der heute stattfindenden Seligsprechung von Paul VI. damit den Konzilspäpsten und durch diese dem Konzil selbst Referenz erweist. Es ist Paul VI. hoch anzurechnen, dass er das Zweite Vatikanische Konzil in einem schwierigen Umfeld und mit grossem Leiden auf gute Weise zu Ende geführt, ja quasi «gerettet» hat. Die Seligsprechung des «vergessenen» Papstes ist, bei aller Kritik der Tatsache gegenüber, dass ein Papst noch nicht lange verstorbene Vorgänger selig- oder heilig spricht, insofern positiv zu würdigen, dass Paul VI. damit hoffentlich mehr Beachtung und Würdigung findet.
(ufw; Iso Baumer: Ein Zwischenruf – Santo subito?, in: SKZ 175 [2007], Nr. 47, 803).
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