Konzilsblogteam

An den brennenden Fragen vorbei

Verloren zwischen den vom Konzil gestärkten Bischöfen und den ebenso gestärkten Laien. So könnte man einen verbreiteten Eindruck beim Blick auf die Priester wiedergeben, die auf dem Konzil eine seltsam marginale Aufmerksamkeit erfuhren.
Ein dürrer Text war es, den man den Konzilsvätern im Oktober 1964 vorlegte. Dies genügte allerdings vielen der in der Konzilsaula im Oktober 1964 versammelten Bischöfen nicht.
Kardinal Alfrink von Utrecht forderte eine vertiefte und grundsätzlichere Diskussion: «Die erneuerte und erweiterte Kenntnis der Kirche von sich selbst, die erneuerte Kenntnis der Mission der Kirche in der modernen Welt, die neue Vision hinsichtlich der Bedeutung der Welt in Bezug auf das Reich Gottes, und schliesslich die neue ökumenische und missionarische Geisteshaltung, all diese Dinge rufen viele pastorale Probleme im Hinblick auf die Seelsorge, speziell in Bezug auf die Pfarrseelsorge hervor. Darüber hinaus bringt der Apostolat, den das Konzil den Laien in der Kirche und in der Welt zuschreibt, die Notwendigkeit einer neuen Reflexion auf das Amt und die priesterliche Aufgabe mit sich.» (zit. nach Herders theologischer Kommentar zum Zweiten Vatikanischen Konzil, Bd. 4, 384)
Die Kritikpunkte am diskutierten Text fasste auch Congar in seinem Tagebucheintrag vom 14. Oktober 1964 pointiert zusammen: «Ich sage überall, dass man diesen Text zurückweisen muss, denn er ist schwach, moralisierend, paternalistisch, ohne Vision, Geist und Prophetismus. Es gibt keine tiefergehende Nachdenklichkeit, keinen Rückgang auf die biblischen Ursprünge, man nimmt die wahren und brennenden Fragen der Priester selbst nicht auf.» (Co 558)
(ab)

15. Oktober 2014 | 00:04
von Konzilsblogteam
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