Walter Ludin

Massaker in Palästinensern

Hinterfragte israelische «Feindesliebe»
Die Stimme Israels wird im deutschsprachigen Raum – aus bekannten Gründen – viel eher gehört als jene der Palästinenser. Wer fragt schon, ob ihre Behauptungen wahr oder Propaganda sind? Hier ein eklatantes Beispiel:
Im Buch «Während die Welt schlief» von Susan Abulhawa (auf das ich in spätern Blogs noch näher eingehen werde) wird über den Libanonkrieg von 1982 aus der Sicht der betroffenen Palästinenser berichtet: «Am 16. September umstellte Ariel Scharons Armee trotz des Waffenstillstandes die Flüchtlingslager Sabra und Shatila (…). Israelische Soldaten errichteten Chequepoints, verweigerten den Flüchtlingen den Ausgang aus den Lagern und liessen ihren libanesischen Verbündeten, die Phalange-Miliz hinein. Die israelischen Soldaten verschanzten sich auf den Dächern, beobachten die Schauplätze und schossen Leuchtraketen ab, um die Phalange zu unterstützen, die in dieser Nacht von Hütte zu Hütte zog.»
Robert Fisk, einer der Journalisten, die zwei Tage später in die Lager gehen konnten, zeigt sich erschüttert. Er schreibt von einem Massaker und nennt es Kriegsverbrechen: «Es hatte im Libanon schon davor Massaker gegeben, aber kaum in diesem Ausmass und niemals überwacht von einer regulären und angeblich disziplinierten Armee.»
Ein Mitglied dieser «disziplinierten Armee» war Aviel Schneider, als Journalist der Kirchenvater der hiesigen christlichen Israel-Lobby. In einer evangelikalen Broschüre schrieb er neulich:
«Israel berücksichtigt trotz allem (gemeint ist die Bedrohung des Staates/WLu), dass die Menschen als Ebenbild Gottes geschaffen sind, als Freund, nächster oder Feind. Israelische Soldaten folgen klaren Befehlen, die Zivilbevölkerung auf der Seite der Feinde zu verschonen.» Das könne er aus eigener Erfahrung bezeugen, da er im Libanon und im Gazastreifen gedient habe.
Was nun? Hat Herr Schneider in jener Nacht geschlafen? Er blendet er wie viele andere die Wirklichkeit völlig aus?
So oder so: Eine Armee, die sich «vornehm» zurückhält und gleichzeitig ihre Verbündeten Massaker durchführen lässt, sogar mit ihrer logistischen Unterstützung; siehe die Leuchtraketen!! – wie «unschuldig» ist eine solche Armee? Wo bleibt da die Rede vom «Ebenbild Gottes»? Mehr Heuchelei ist unvorstellbar…..

Waehrend die Welt schlief von Susan Abulhawa
7. Dezember 2017 | 09:12
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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5 Gedanken zu „Massaker in Palästinensern

  • Karl Stadler sagt:

    Das israelische Militär hat auf der syrischen Seite der Golan-Höhen eine Geburtsklinik für Syrer aufgebaut, in einem Raum wo für 225’000 nur ein Krankenhaus besteht. Damit reagierte es auf die Bitte syrischer Ärzte. Wie die Tageszeitung “Jerusalem Post” berichtet, ist die Klinik Teil der Operation “Guter Nachbar”, in der die Israelis kriegsverwüsteten syrischen Dörfern an der Grenze Hilfe anbieten. “Man kann nicht einfach daneben stehen und dem Nachbarn beim Streben und dem Leben unter schwierigsten Bedingungen zusehen”, sagt der zuständige Kommandeur der Operation, der aus Sicherheitsgründen namentlich nicht genannt wird. Die Hoffnung, die mit der Hilfe für Syrien einhergeht, ist es, einen guten Willen zu verbreiten und die Grenze damit zu beruhigen.
    Ja, es ist Advent. Es wäre auch einmal angemessen, über das Los der rund 900’000 Juden zu berichten, die aus den arabischen Ländern nach dem Krieg von 1948 fliehen und in Israel Schutz suchen mussten, zu berichten. Oder zum Ausgleich auch die isralische Version zu den alten Themen von Sabra und Shatila darzustellen.
    Apropos: Im deutschsprachigen Raum werde nur die Stimme Israels gehört, das scheint mir nun wirklich völliger Unfug zu sein.

    • Apropos: …nein, das scheint mir kein Unfug zu sein. Die Stimme Palästinas hört man, in der Regel wird sie aber nicht oder kaum wahr genommen, niemals im selben Masse wie die Israels.
      Israel und Palästina, eine Frage der Verhältnismässigkeit auf vielen Ebenen. Und dabei schneidet Palästina ‘gewaltig’ schlechter ab. Nur schon wenn ich daran denke, dass Trump gerade Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt…?!
      Ich persönlich spreche hier übrigens von Israel und möchte keinesfalls Juden persönlich und pauschal verurteilen, ich habe auch jüdische Freunde/-innen!
      Übrigens: mir fehlt hier auch die Verhältnismässigkeit bezüglich syrischer Ärzte.., soweit ich informiert bin, gab und gibt es uuunzählige Bitten syrischer Ärzte.., die verstummen und ungehört bleiben. Wieder also, wo ist da die Verhältnismässigkeit?
      Aber danke für dieses Beispiel, es tut durchaus gut, wenn man auch von Kommandeuren hört bzw. liest, welche ihr Tun damit verbinden, wofür es angedacht ist: zum Wohle aller…
      Dies sollte eigentlich nicht nur zur Adventszeit geschehen denke ich.., als Christ.

      • walter ludin sagt:

        Vielen Dank, lieber M.K.M.
        Wenn es um das Gesundheitswesen geht, sollte auch die selbst ernannten Freunde Israels mal erklären, warum es immer und immer wieder geschieht, dass Ambulanzen mit kranken oder schwangern Palästinenserinnen an den Chequ-points aufgehalten werden, was eine akute Gefahr für die Betreffenden – auch für die Ungeborenen bedeutet. Eine hoch schwangere Frau ist sicher kein Sicherheitsrisiko.
        Seien wir ehrlich, bei diesen und vielen andern schickanösen Massnahmen geht es um nichts anderes als um Mobbing. Die Palästinenser soll das Leben so schwer gemacht werden, dass sie aufgeben.

  • Karl Stadler sagt:

    Immerhin: Vor einigen Monaten lehnte “arte” eine Reportage über Israel und Palästina ab, wegen angeblicher “unausgewogener Berichterstattung”. Im Beitrag kamen auch palästinensische Stimmen zu Wort, auch aus Gaza, die deutlich zum Ausdruck brachten, dass an ihrem schweren Los bei weitem nicht Israel allein die Verantwortung trägt. ARD musste einspringen, damit der Beitrag ausgestrahlt werden konnte.
    Im letzten November äusserte sich Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, keineswegs ein unkritischer Mann gegenüber dem Staat Israel, dahingehend, dass “in vielen Medien der Antisemitismus und die zunehmende Israel-Feindlichckeit leider zu wenig thematisiert und mitunter durch einseitige Berichterstattung gar gefördert werde”.
    In meinem näheren sozialen Umfeld habe ich in Diskussionen noch selten etwas Positives über Israel zu hören bekommen. Israel ist schlichtweg die Besatzungsmacht, der Unterdrücker, und somit die einzige Ursache für die schwierige Lage der Palästinenser, manchmal verbunden mit subtilen Stereotypen. Dabei hat es in der Regel sein Bewenden.
    Oder auf kath.ch habe ich noch nie lesen können, dass während des syrischen Bürgerkrieges das israelische Militär mehrere tausend schwer verletzte Menschen aus diesem Land übernahm und sie in israelische Spitäler zur Behandlung überführte.
    Ja, die Ankündigung von Trump scheint ungeschickt. Aber warum sagte niemand ein Wort, als in diesem Mai Russland in einer ähnlichen Erklärung Westjeruasalem praktisch als Hauptstadt Israels anerkannte und Ostjerusalem als diejenige Palästinas, dies, obwohl die Palästinenser und fast die gesamte isalamische Welt nach wie vor auf dem Standpunkt verharren, dass Israel im gesamten Jerusalem nichts verloren habe und dass das Judentum keinen Bezug zu Jerusalem aufweise, eine Ansicht die typischerweise teilweise gar in UN-Gremien vertreten wird?

  • Roland Xander sagt:

    Wir sollten doch endlich mit der ewigen gegenseitigen Aufrechnerei von Schuld aufhören, die Vergangenheit hat ja bewiesen, dass das überhaupt nichts fruchtet. Im Gegenteil, die Spannungen werden damit nur noch größer. Es gibt auf beiden Seiten wunderbare Gruppen und Bewegungen, die großartige Friedensinitiativen betreiben und diese sollten wir nach Kräften unterstützen. Ein erfolgreicher Friedensprozess kann nur von unten kommen, von oben ist diesbezüglich rein gar nichts zu erwarten. Vor zweitausend Jahren haben ein Mann und einige Fischer ein perfektes Modell für eine friedliche Welt gepredigt, wir sollten uns diese Lehre öfter einmal zu Herzen nehmen!

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