Konzilsalltag einer Laienauditorin – Sr. Juliana Thomas ADJC
Sr. Juliana Thomas (1898-1977) war die erste deutschsprachige Laienauditorin der dritten Sessio. 1919 war sie bei den Armen Dienstmägden Jesu Christi (ADJC, Dernbacher Schwestern) eingetreten. Von 1957-1968 war sie Generalsekretärin der «Vereinigung der höheren Ordensoberinnen Deutschlands» (VHOD) und wurde in dieser Funktion ins Konzil berufen. Als Generalsekretärin hatte Sr. Juliana vielfach mit der Religiosenkongregation zu tun gehabt und war dort als sympathische, effiziente und politisch klug agierende Ordensfrau aufgefallen.
Während der Konzilszeit wohnte sie bei den «Grauen Schwestern» in der Via dell’Olmata und fand dort eine ausgezeichnete Infrastruktur vor: zu den Annehmlichkeiten zählten ein Telefon auf dem Zimmer, gemeinsame Busfahrten mit den Bischöfen zum Petersdom und die Presseberichte über die Konzilssitzungen des Vormittags, die der Leiter des deutschsprachigen Konzilspressebüros Gerhard Fittkau persönlich ins Haus brachte.
Im Petersdom profitierte Sr. Juliana von den Netzwerken ihrer Kongregation: die ADJC waren vor allem in Europa, Amerika und Indien bekannt. «Wir sind ja leicht zu finden», bemerkte sie zum exponierten Ort der Periti und LaienauditorInnen auf der links vom Papstaltar gelegenen Tribüne Sant’Andrea, wo sich immer wieder Konzilsväter und nichtkatholische Beobachter spontan zu Gesprächen einfanden. Auf der Agenda von Sr. Juliana standen persönliche Gespräche, Audienzen, Arbeitskreise, Vorträge und Empfänge, die sie etwa mit den nichtkatholischen Beobachtern zusammenbrachten. Nicht zu unterschätzen ist ihre Funktion als Multiplikatorin: Sowohl die Vorsitzende der VHOD, Mater Maria Brüning, wie auch die Generaloberin der Dernbacher Schwestern, Mater Herluka, hielten sich längere Zeit in Rom auf, um mit Sr. Juliana gleichsam inoffiziell an Konzilsberatungen teilzunehmen.
Konkrete Formulierungsvorschläge der AuditorInnen, so Sr. Juliana, seien in verschiedene Konzilstexte (AA, GS, PC) eingegangen. Besonders interessant ist, dass sie in dieser Aufzählung Perfectae Caritatis, das Dekret über das Ordensleben, erwähnt: hier habe man die Anregung gegeben, Gedanken aus der Botschaft Pauls VI. vom 23. Mai 1964 zu integrieren. Dieses Zugeständnis mutet nicht gerade spektakulär an, zeigt aber, dass ein Einfluss der AuditorInnen auch dort gegeben war, wo sie nicht persönlich an der Kommissionsarbeit teilnehmen konnten.
(Regina Heyder)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


