Entdeckung inmitten des Neuanfangs
Er wolle den «restart»-Knopf drücken, so kündigte der Neue im Bundesrat an. Nun wollen wir mal schauen, wie ihm das gelingt, zumal er Gefahr läuft, nächstens vom übergriffigsten Mann aus Brüssel abgeknutscht zu werden …
Doch «restarting» ist ja manchmal auch eine gute Idee. Das tut der hier Schreibende wieder mal. Er verlässt reumütig und terminlich ausserplangemäss die zynischen Pfade der letzten drei Einträge (die aber doch recht von Herzen kamen, aber nicht jedem Anspruch an intellektuell-gehaltvollem Niveau genügten) und begibt sich auf gediegeneren Boden.
Doch eine Zwischenbemerkung sei ihm noch gestattet. In seiner Unfähigkeit, mit den modernen Medien korrekt umzugehen (schon fast eine Fehlleistung zu nennen) hat er seit dem Neustart der Blog-Sphäre auf kath.ch das kleine Kästchen «allow comments» (warum schon wieder Neudeutsch?) übersehen und nicht bedient. Ihm dies als Arroganz bzw. Ignoranz anzukreiden, verfehlt die wahren viel banaleren Gründe. Nun denn, es sei von nun an gestattet. Ich drücke auch diesen Knopf.
Die musikalischen Highlights der letzten 10 Tage? Gleich drei sind zu rapportieren:
a) Barrie Koskys «Jewgeni Onegin» in Zürich. Wieder eine Glanzleistung an Regiearbeit dieses Hochbegabten. Auf der immergrünen Wiese umgeben vom russischen Wald während allen acht lyrischen Szenen sangen grosse Rollenträger. Peter Mattei als Onegin, Pavol Breslik als Lenski und die Ukrainerin Olga Bezsmertna als Tatjana. Zusammen mit dem jungen russischen Dirigenten Stanislav Kochanovsky ein kaum zu toppendes Gesamtkunstwerk.
b) Das Dirigat des designierten St.Galler Chefdirigenten Modestas Pitrènas in Tschaikowskys Pathétique. Er treib das früher für seine kleinen Ungenauigkeiten berüchtigte, aber unter den Herren Kout und Tausk gereifte Orchester zu einer Sternstunde, in der die Tragik dieses Komponistenlebens schmerzvoll laut und deutlich wurde. Einziger Kummer: Ein paar üble Banausen klatschten nach dem 3.Satz mitten drein, doch Pitrènas bremste sie aus.
c) Ein kleiner (musikgeschichtlich unbedeutender) Abend in meiner Wohnpfarrei Abtwil zum Beginn des Ehrenamtlichen-Abends: Die beiden Kirchenchordirigenten der Seelsorgeeinheit, Jeannine Frommenwiler (Martinschor Bruggen) und Joachim Oberholzer (Chor Gaiserwald) sangen Puccini-Arien. Und das auf wahrhaft beachtlichem Niveau. Natürlich war für mich «O mio babbino caro» aus «Gianni Schicchi» der Höhepunkt. Freude pur.
Also, liebe Kritiker/innen, Sie sehen: Ich hätte statt der sinnlosen Zeit in der Schweizer Armee besser ein Stage an einem Opernhaus gemacht. O Entschuldigung, schon wieder leichter Zynismus…
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Karl Stadler sagt:
Entschuldigung, Herr Angehrn, die Kritik im Mail ist zugegebenermassen etwas heftig ausgefallen. Ich bin halt, wenn verallgemeinernde, kritische und implizit zurechtweisende Äusserungen seitens der Kirche an einen herangetragen werden, ein wenig überempfindlich.
Aber etwas nimmt mich jetzt dennoch wunder: Wen muss man nun als den “übergriffigsten” Mann in Brüssel betrachten? Herr Jean Claude Juncker oder allenfalls Carles Puigdemont?