Wenn die Welt Kopf steht
Weltkarten prägen Weltbilder
Unter diesem Titel steht mein Artikel in der neuesten Ausgabe unserer Eine-Welt-Zeitschrift ite. Ich gebe ihn hier wieder und füge den Pressetext zu dieser Nummer an.
Dass die Erde eine Kugel und keine Scheibe ist, weiss man nicht erst seit gestern. Sie lässt sich nur durch einen Globus einigermassen richtig abbilden. Dennoch prägen die flachen Darstellungen – die «Weltkarten» – nach wie vor unser Weltbild. Sie verzerren es vielfach.
Auf den Kopf gestellt: So wirkt die Weltkarte des 1958 geborenen Australiers Stuart McArthur. Er hatte sich genervt, dass im Ausland seine Freunde ihn foppten, er käme «vom untersten Rand der Welt» (»from the bottom of the world» lässt sich auch durch den derberen Ausdruck «vom Hintern der Welt» übersetzen …).
McArthur zeichnete eine neue, nach Süden ausgerichtete statt wie üblich eine «genordete» Weltkarte. Damit rückte Australien nach oben. Zudem verschob er den Null-Meridian vom englischen Greenwich in die australische Hauptstadt Canberra. Und siehe da: Australien war nun im Zentrum der Welt. Diese ungewöhnliche Ansicht war ebenso richtig wie die übliche Darstellung.
Da unser Planet im All schwebt, hängt das Unten oder das Oben vom Standpunkt des Betrachters ab. Die Weltsicht war nun aber traditionell europäisch geprägt. Somit stand Europa oben und im Mittelpunkt.
Peters statt Mercator
Die traditionelle Weltkarte wurde vor mehr als 500 Jahren vom Belgier Gerhard Mercator in ihren Grundzügen geschaffen. Sie weist aber unglaubliche Verzerrungen auf. Grönland zum Beispiel erscheint ebenso gross wie Afrika, obwohl dieser Kontinent mehr als 14-mal grösser ist. Und Schweden wirkt drei Mal so gross wie Indien, obwohl die Fläche nur einen Siebtel des indischen Subkontinents beträgt. Da wir uns an die Mercator-Karte gewöhnt haben, fallen uns diese Fehler nicht auf.
Der Australier McArthur war nicht der erste, welche das gängige Weltbild korrigierte. Bereits 1973 schuf der deutsche Historiker und Kartograph Arno Peters eine flächengetreuere Karte. Seine «Peters-Projektion» ist unter Fachleuten bekannt. Im Alltag ist sie jedoch nur selten zu finden.
Wenn sie jedoch etwa im Unterricht im Vergleich mit der Darstellung von Mercator gezeigt wird, ist das Erstaunen gross. Dazu eine Lehrerin: «Es war spannend zu sehen, wie die Schülerinnen und Schüler plötzlich in Frage gestellt haben, was sie bisher zu wissen glaubten.»
Verkehrte Welt?
Wie bereits angetönt: Wenn die Welt auf dem Kopf steht, ist es nicht unbedingt eine verkehrte Welt. In einer Glosse zur McArthur-Karte meint der Berner Journalist Lorenz Marti: «Gefährliche Weltanschauungen entstehen da, wo nie andere Perspektiven erprobt und einbezogen werden. Oder positiv formuliert: Wer die Welt in Gedanken auch umdrehen, verschieben oder sogar auf den Kopf stellen kann, sieht sie richtig.»
Wo liegt der «Ferne Osten»
Man spricht vom «Fernen Osten» und meint damit Ostasien. Damit kommt die europäische Sichtweise zum Ausdruck. Auch die USA haben sie übernommen, obwohl von dort aus Fernost im Westen liegt …
Ein Mitbruder, der in Indonesien als Missionar wirkt, hat mir erzählt, dass sich seine Schüler über den Ausdruck «Ferner Osten» wundern. Denn: «Diese Gegend ist doch nahe bei uns!»
In der Tagesschau von asiatischen Sendern habe ich Hintergrundkarten gesehen, welche nicht Europa als Mittelpunkt haben, sondern die Asien.
Pressetext: ite/2017/4: Medien und Kommunikation
Kommunikation ist das unverzichtbare Schmieröl im sozialen, wissenschaftlichen und kulturellen Leben. Auch das Christentum ist wesentlich eine Kommunikationsreligion. Das zeigt nicht nur das Leben und Wirken Jesu, durch das Neue Testament vermittelt, sondern zum Beispiel auch jenes des Heiligen Franziskus von Assisi, eines wahren Kommunikationsgenies. Ihm und auch dem «Wort Gottes» in der Bibel widmet die neueste Ausgabe des ite drei längere Beiträge.
Diese Nummer der Eine-Weltzeitschrift, die von den Schweizer Kapuzinern herausgegeben wird, steht unter dem Motto: «Medien und Kommunikation. weltweit –sozial – christlich». Darin wird u.a. berichtet, wie kirchliche Medienarbeit heute funktioniert. Auch der Blick auf die Länder des Südens fehlt nicht. Walter Ludin zeigt auf, wie verschiedene Weltkarten unser eigenes Bild der Welt von oben und unten prägen. Eva Maria Werner weist auf die grosse Bedeutung von Informationen als «Rohstoff der Zukunft» hin.
Gratis-Probenummern bei: Missionsprokura Schweizer Kapuziner, Postfach 1017, 4601 Olten. Telefon: 062 212 77 70. E-Mail: abo@kapuziner.org
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