Konzilsblogteam

Trotzig evangelisch-katholisch: Karl Barth in Rom (3)

Der nicht sachliche, wohl aber dramatische Höhepunkt der Zeit in Rom ist für Karl Barth «unser Empfang im innersten Sanktuarium der römisch-katholischen Kirche»: Audienz bei Papst Paul VI. Die Erinnerung an diese Stunde zählt er zu den «angenehmsten Erinnerungen unserer Woche». Auch dem Papst legt Karl Barth «schüchtern wie ich bin» die eine und andere seiner mitgebrachten Fragen vor, unter anderem die nach dem eigenen theologischen Status «als einer von den ‹fratres sejuncti›» (15). Vor allem will Barth wissen, ob in dieser Formel das Wort fratres mehr als das sejuncti zu unterstreichen sei. «Er [der Papst] schien damit einverstanden zu sein» (16). Auch die Mariologie wird Thema. «Der Papst hatte davon gehört, dass ich Joseph, den Nährvater Jesu, als Urbild des Wesens und der Funktion der Kirche der nachträglich zur Himmelskönigin erhobenen ancilla Domini vorziehen möchte, und versicherte mir, er werde für mich beten, dass mir in meinem hohen Alter in dieser Sache noch tiefere Einsicht geschenkt werden möchte» (16).
Barth schätzt die Art von Papst Paul VI. als «vornehm und würdig menschlich»; keinen Augenblick habe er an den Titel «Pontifex Maximus» denken müssen. Lediglich wünsche er ihm mehr Zuversicht gegenüber den inneren Spannungen der katholischen Kirche.
In dem kleinen Bändchen, in dem Barth seine Erinnerungen veröffentlicht, fügt er die Fragekataloge und einige kleinere Beiträge an, darunter auch ein Brief an den (ungenannten) Karl Rahner zu seiner Mariologie. Humorvoll bemerkt Barth: «Ängstliche Gemüter auf unserer Seite mögen spätestens hier einsehen, dass ich so trotzig evangelisch – ich möchte eigentlich lieber sagen: evangelisch-katholisch – aus Rom zurückgekehrt wie nach dort hingefahren bin» (19).
(emf; Zitate aus: Karl Barth: Ad Limina Apostolorum. Zürich: EVZ, 1967)

30. Juli 2014 | 00:04
von Konzilsblogteam
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