Konzilsblogteam

Kein Raum für Oscar Cullmann

Nicht allen waren die nichtkatholischen Beobachter genehm. Als Ende November 1963 der renommierte Exeget Oscar Cullmann einen Vortrag halten soll, braucht es einen Raum, der gross genug ist, um die erwarteten Zuhörer aufzunehmen. Doch weder bei der Gregoriana, noch beim Angelicum noch beim Bibelinstitut wurde Aufnahme gewährt (die Odyssee der Suche nach dem Ort lässt sich bei Congar nachvollziehen: Co 1,523.532-534.536f.539.560).
Unklar bleibt, wo genau das Hindernis lag, bei der Kongregation für die Seminare und Universitäten oder (wahrscheinlicher) an höherer Stelle.
Erzbischof Weber von Strasbourg kann schliesslich einen Raum bei der französischen Kirche in Rom, St. Louis des Français, bereitstellen. Dort findet die Konferenz über die Heilsgeschichte im Neuen Testament statt, die Congar als «SEHR SCHÖNE Konferenz» würdigt (Co 1,575).
Cullmann wird nachgesagt, dass er gute Beziehungen zu Paul VI. hat, doch verzichtet er darauf, sie für diese penible Situation fruchtbar zu machen. Culllmann war der aufbrechenden Ökumene gegenüber sehr positiv eingestellt. Während der zweiten Konzilssession äussert er: «Die Veröffentlichung des Ökumenismusschemas wird ein wichtiges Ereignis im Leben der römisch-katholischen Kirche darstellen, und als Protestanten sind wir dankbar für die neue Einstellung und den Wunsch, den Glauben ausserhalb der römischen Kirche zu verstehen» (zit. A 3,339 Anm. 134).
(emf; vgl. Ry 256)
 

14. Juli 2014 | 00:03
von Konzilsblogteam
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