Die Zeit der Gegenreformation ist vorbei, endgültig
Hans Küng beginnt früh, schon 1964, mit Einordnungen des Konzils in grössere Zusammenhänge. Er schaut auf die vorangegangenen Leistungen vor allem der wissenschaftlichen Theologie – aber er wagt auch einen Ausblick in die Zukunft.
«Die ganze Konzilsdebatte über die Kirche zeigte, dass die in früheren Jahren oft verkannte und verketzerte Arbeit der Theologen, der Exegeten, Historiker und Systematiker auf dem ‹marschierenden Flügel› der Kirche in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht umsonst war, sondern, endlich hundertfache Frucht getragen hat. Zweifellos sind neben den aufgeschlossenen Stimmen auch viele Stimmen laut geworden, die einfachhin den Status quo verteidigten; aber repräsentativ für die grosse Konzilsmehrheit waren sie nicht. Zweifellos wird vieles, was in dieser Diskussion gesagt wurde, schon in zehn Jahren als ein recht bescheidener Anfang dastehen. Zweifellos wird auch manches in der heutigen wissenschaftlichen katholischen Theologie gesagt, was in der Konzilsdiskussion noch nicht zur Aussage kam.
Aber wenn nur die Hälfte von all dem, was in der Aula von den Bischöfen positiv und konstruktiv gesagt wurde, von der zuständigen theologischen Kommission im neuen Schema über die Kirche fruchtbar gemacht wird, so wird die katholische Ekklesiologie einen gewaltigen Schritt vorwärts gemacht haben. Das jedenfalls ist mit dem zweiten Vatikanischen Konzil deutlich geworden: auch in der Ekklesiologie ist die Zeit der Gegenreformation vorbei, und endgültig vorbei.»
(ab; Kü 235.)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


