Bruder Klaus und das liebe Geld
Fast automatisch denkt man beim Asketen im Ranft, er habe sich nichts aus Geld gemacht, es gar abgelehnt. Diesbezüglich zu den wertvollsten Quellen gehört das Gespräch mit einem jungen Mann aus Burgdorf, der mit ihm über seine Zukunft sprechen wollte. Dabei ging es auch um die Kartäuser. Dieser Orden, damals in seiner Hochblüte, war zu Reichtum gekommen, obwohl er der Armut verpflichtet war. Bruder Klaus sagte dem jungen Mann dazu: «Wenn den Kartäusern aus Almosen schon so viel Besitz zugewachsen ist, dass es ihnen genügt, so haben sie jetzt eben kein Almosensammeln mehr nötig.»
Entscheidend ist der Umgang mit Geld
Sinngemäss ähnlich äusserte er sich im Brief an die Berner, seinem politischen und spirituellen Vermächtnis: «Wessen Glück sich auf Erden mehrt, der soll Gott dankbar dafür sein, so mehrt es sich auch im Himmel!» Zudem ermahnte er sie: «Darum sollt Ihr darauf achten, dass Ihr auf Frieden baut, Witwen und Waisen beschirmt, so wie Ihr es bisher getan habt.»
Das heisst: Niklaus von Flüe betrachtete finanziellen Reichtum nicht als Bürde oder als (für das Seelenheil) hinderliches Gut. Entscheidend sind Haltung und Umgang. Aus dem materiellen Reichtum leitet sich ein Leistungsprinzip ab, das zur sozialen Gerechtigkeit beitragen soll im Bewusstsein, dass materielle Güter von dieser Welt sind – und in dieser Welt bleiben.
Roland Gröbli
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