Altes und Neues Testament
Naturgemäss muss ein lehramtlicher Text über die göttliche Offenbarung von der Heiligen Schrift handeln. Auf den ersten Blick scheint vollkommen klar, was damit gemeint ist. Doch die Probleme liegen im Detail. So stellten sich bei der Neuredigierung des Textes über das Alte und Neue Testament viele Fragen grundsätzlicher Art. In welcher Beziehung stehen die beiden Bücher zueinander? In welcher Weise kann eine sachgerechte Interpretation sichergestellt werden, so dass dennoch genug Spielraum bleibt, das Wort Gottes als kollektive Norm der ganzen Kirche, aber auch als individuelle Norm persönlicher Spiritualität und Lebensführung verstehen zu können. Der Jesuit und Konzilstheologe Otto Semmelroth schrieb am Mittwoch, dem 22. April in sein Tagebuch: «Vormittags wurden die Emendationswünsche zum dritten und vierten Kapitel (Altes und Neues Testament) besprochen. Es war eine sehr angenehme Atmosphäre. Wenn es auch Meinungsverschiedenheiten gab, so konnte man sich doch recht gut einigen. Immerhin ist es wichtig, dass wir da sind. Manches an Formulierungen kann man vermeiden und auch positiv vieles beitragen. Die Diskussion ist gut und leicht. Nachmittags haben P. Grillmeier, Prof. Ratzinger und ich im Germanikum den endgültigen Text zum zweiten Kapitel mit der dazugehörigen Relation gemacht. In der gemeinsamen Sitzung der ganzen Unterkommission wird der dann verabschiedet werden, wir hoffen ohne allzu grosse Beanstandungen. Es war ein Tag sehr intensiver Arbeit.
Abends in der Rekreation gab es ein interessantes theologisches Gespräch über das Verhältnis von lehrender und hörender Kirche.»
(Hanjo Sauer)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


