«Eine Woche sehr fruchtbarer Arbeit»
Die Theologische Kommission hatte in der vergangenen Woche ein gutes Stück Arbeit geleistet. Jetzt kam es darauf an, die Konzilsväter für den neuen Text zu gewinnen. Der Konzilstheologe Otto Semmelroth schrieb in sein Tagebuch: «Heute Vormittag war die letzte Sitzung der. Unterkommission. Zuerst mussten Grillmeier, Ratzinger und ich nebenan unseren Text korrigieren nach den Wünschen von gestern Abend. Er wurde dann gleich vervielfältigt und in der zweiten Hälfte der Sitzung durchgesprochen. Einige Änderungen wurden gewünscht, aber im Wesentlichen blieb er. Es gab ein Rencontre mit P. Tromp, der das allgemeine Lob der Schriftlesung mit unmöglichen Argumenten zurückweisen wollte. Ausserdem wollte er nicht einsehen, dass die Schrift in ganz anderer Weise behandelt werden muss als die Tradition, wenn auch beide zusammengehören. Schliesslich ist die Tradition nicht Wort Gottes, sondern enthält es nur, während die Schrift eben auch Wort Gottes ist. Aber das wollte er nicht einsehen und zugeben. Aber er wurde doch überstimmt. Gegen mittags wurde dann von Bischof Charue die diesmalige Sitzung der Subcommissio De revelatio abgeschlossen. Es war eine Woche sehr fruchtbarer Arbeit, und das Ergebnis ist der Art, dass man doch recht zufrieden sein kann. Auch P. Rahner, der doch sehr kritisch und nicht gleich zufrieden zu stellen ist, zeigte sich zufrieden. Nachmittags ging ich noch einmal nach Sankt Peter, weil ich die ganze Woche, obwohl wir direkt neben der Basilika tagten, keine Zeit hatte, dem Petrusgrab einen Besuch abzustatten. Ich wollte doch nicht ohne das von Rom wieder wegfahren. Ich betrachtete auch die neue Statue Pius’ XII., die die von ihm kreierten Kardinäle gestiftet haben. Eine riesige Bronzestatue, die den Papst mit Mitra und Chormantel mit dem Segensgestus darstellt. Abends waren P. Grillmeier, Prof. Ratzinger, P. Gerhartz und ich zum Abendessen zusammen.» Am Sonntag, dem 26. April 1964 flog P. Semmelroth dann, wie er sagt «bei schönstem Wetter» wieder nach Frankfurt zurück.
(Hanjo Sauer)
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