Die Kamele kennen den 100. Namen Allahs."    © Walter Ludin 2005
Walter Ludin

Islam III. Wir haben den gleichen Gott

  • Bekanntlich behaupten auch in Europa islam-kritische Kreise und Parteien, der Gott der Muslime/Allah sei nicht der Gott der Christen. Dass auch arabische Christgläubige Gott als «Allah» bezeichnen, haben wir schon gehört.
  • Wer behauptet, der Gott des Islam und jener des Christentums sei nicht der gleiche, ist kein Monotheist. Denn entweder gibt es verschiedene Götter oder es gibt nur einen, den Muslime wie Christen verehren.
  • Es gibt nur einen Gott, aber unterschiedliche Gottes-BILDER.
  • Bekanntlich haben viele Christen auch bezüglich des alttestamentlichen Gottesbildes unzureichende Vereinfachungen. So wird der zürnende Gott dem liebenden Jesu Christi gegenübergestellt. Ähnlich gilt der muslimische Gott als Gott des Krieges.

Wenn wir nun nach diesen Vorbemerkungen versuchen, das Gottesbild des Koran zu skizzieren, sehen wir, wie die letztgenannte Vorstellung falsch ist, die vom zornigen, kämpfenden Gott.

Die 1. Sure des Korans beginnt mit: «Im Namen Allahs (oder eben: im Namen Gottes), des Allerbarmers, des Barmherzigen.» Mit Ausnahme der 9. Sure beginnen alle 114 mit dieser Einleitung. Dazu schreibt der deutsche Pfarrer Hermann-Josef Frisch in seinem 2016 erschienen Buch «Der Koran für Christen. Gemeinsamkeiten entdecken»: «Das Bekenntnis zum barmherzigen Gott ist eine Leitlinie, eine Kurzformel des Glaubens, welche die Grundlage des Islams bildet. Es gibt viele Namen Gottes, unter allen aber ragt heraus ‹Der Erbarmer, der Barmherzige›. Nicht ein Gott der Gewalt, des Zwangs, des unerbittlichen Gesetzes wird im Islam bekannt, sondern ein Gott der Zuwendung zum Menschen …»

Wenn wir dabei sind, Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Religionen zu benennen, denken wir unsere Päpste den barmherzigen Gott in den Vordergrund stellen: Johannes Paul II. mit seinem Barmherzigkeits-Sonntag und Papst Franziskus mit seinem Jahr der Barmherzigkeit.

«Es gibt viele Namen Gottes», haben wir vorhin gehört. 99 davon rufen die Muslime beim täglichen Gebet in Erinnerung, mit einer Gebetskette von 33 oder 99 Perlen. Der 100. Name Gottes aber ist gemäss einer arabischen Legende bloss dem Kamel bekannt. Deshalb trägt es seine Nase so hoch …

Ernsthafter: Wer die Schriften des Franz von Assisi kennt, dem fällt auf, dass im «Lobpreis Gottes», den der Heilige für Bruder Leo verfasst hat, sehr viele Parallelen zu den Namen Gottes im Koran vorhanden sind. Fachleute nehmen an, dass Franziskus sie auf seiner Reise zum Sultan kennen lernte.

Neben der Vorstellung von Gott dem barmherzigen enthält der Koran sehr viele Stellen von Gott dem Schöpfer. «Sie haben einen wesentlich höheren Stellenwert als vergleichbare Aussagen in der Bibel.» (Hermann-Josef Frisch).

Aus meinem Vortrag «Was haben Christen mit den Muslimen gemeinsam?» Dublin Mai 2017/Werkwoche der Kapuziner von Nord-West-Europa

Die Kamele kennen den 100. Namen Allahs.» © Walter Ludin 2005
3. Juni 2017 | 06:32
von Walter Ludin
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