Warum ich mich an der Eröffnung der Wiler Moschee freue
Am vergangenen Wochenende konnte in Wil die neu erbaute Moschee eröffnet werden.
Für mich ist das ein Freudentag. Menschen, denen ihre Religionsausübung wichtig ist, haben nun einen würdigen, schönen Ort dafür. Sie treffen sich nicht mehr in einer alten Fabrikhalle, sondern in eigens dafür gebauten Räumlichkeiten.
Wie wichtig für Menschen ein schönes Gotteshaus sein kann, haben mir Menschen im Hochland von Bolivien gezeigt. Während drei Jahren durfte ich in der bolivianischen Stadt El Alto leben und arbeiten. Sie wollten eine Kirche bauen. Ich fand eine Schule für die Kinder wichtiger. Dort hätte es ja dann auch Räume, die sonntags für Gebet und Gottesdienst genutzt werden könnten. Sie überzeugten mich: «Schau dich doch um: Unser Leben hier ist geprägt von Armut und Elend, nichts ist schön hier, niemand ist gern hier. Lass uns doch wenigstens am Sonntag einen schönen, würdigen Ort haben, wo wir uns zum Gottesdienst treffen und uns erholen können! Auch unsere Seele sehnt sich nach Schönheit!»
Und wie wichtig für Muslime das Gebet sein kann, haben mir Menschen in Palästina gezeigt. Egal, ob es an einer Bushaltestelle in der Stadt war, in einem Beduinenzelt in der Wüste oder im Tante-Emma-Laden gegenüber: Immer wieder habe ich gesehen, wie sich Menschen für ein paar Minuten auf den Gebetsteppich zurückziehen, ihre Gebete verrichten und dabei alles um sich herum vergessen – und nach ein paar Minuten wieder zu ihren alltäglichen Verpflichtungen zurückkehren.
Nun haben Menschen muslimischen Glaubens in Wil ihre eigene Moschee. Schöne, helle, hohe Räume, an manchen Wänden Schriftzüge mit Koranzitaten, 99 Fenster nach draussen (nach den 99 Namen Gottes), eigene Räume für Frauen und Kinder, sogar eine Zuschauertribüne, denn die Moschee will auch der Integration dienen, dem Abbau von Ängsten, der Begegnung.
Menschen werden sich dort treffen zum Freitagsgebet (das auf Deutsch gehalten wird und auch Nicht-Muslimen offen steht!). Kinder werden dort in ihren Glauben eingeführt werden und hoffentlich im Islam Halt finden und gestärkt werden in einer offenen und toleranten Haltung. Frauen werden sich dort treffen, miteinander austauschen und Freundschaften pflegen. Nicht-Muslime werden dort etwas mehr erfahren können über den Glauben der Muslime, die hier unter uns leben.
Ein Grund, mit den 14 % Muslimen der Stadt Wil zu feiern und zu danken!
Ich wünsche unseren moslemischen Schwestern und Brüdern aus Wil und Umgebung wohltuende Gebetsmomente, tiefe Einsichten in das Wesen ihrer Religion und glücklich machende Begegnungen im neuen Zentrum.
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