Dorothee mit drei ihrer jüngsten Kinder. Bronzestatue beim Turm der Sachsler Pfarrkirche von Rolf Brem 1991, gestiftet vom Schweizerischen Verband Katholischer Bäuerinnen. (© Bruder-Klausen-Stiftung Sachseln)
Bruder Klaus und Gefährten

Dorothees vierfaches JA

Die Quellen zu Dorothee von Flüe schweigen, was ihr Innenleben betrifft. Was sie bewegt und gedacht haben mag, bleibt Interpretation. Als Frau des 15. Jahrhunderts wird sie sich nicht allzu wichtig genommen und sich vorbildlich in die ihr zugedachten Aufgaben und Pflichten gefügt haben. Mindestens berichtet Hans von Waltheym, ein Zeitgenosse, sie sei eine «suberliche junge frowe» gewesen, eine «fromme husfrowe», tüchtig, umsichtig und ehrbar. Sie war sicher Kind ihrer Zeit, in der der Lebensweg für ein Bauernmädchen von ihrem Stand vorgezeichnet war. Es war Dorothees Bestimmung, sich zu verheiraten, einen Bauernhof zu führen, Mutter zu werden und ihre Rolle als Ehe- und Familienfrau zu erfüllen.

Aber Bestimmung und gesellschaftliche Erwartungen hin oder her, um das «Unternehmen Haus, Hof und Familie» gelingen zu lassen, brauchte es immer wieder Dorothees eigenes JA zu ihren Lebensumständen. Vierfach lebt sie dieses JA in zweimal zwanzig Ehejahren mit Niklaus von Flüe: Ihr erstes JA gilt ihm, dem Bauern und Ratsherrn, den sie zum Mann nimmt. Ihr zweites JA lebt sie, indem sie sich auf Familie einlässt, mindestens zehn Kinder gebiert und ihnen Mutter ist. Ein drittes JA verlangt Dorothee alles ab: Sie lässt Niklaus ziehen und verabschiedet ihn als Pilger auf unabsehbare Zeit. Und ein viertes Mal muss Dorothee zu ihrem JA finden, als Niklaus nach kurzem wieder zurück ins Flüeli aber nicht nach Hause kommt. Dieses erneute JA zur Lebensform ihres Mannes als Eremit im Ranft lässt diesen zu Bruder Klaus werden, der fortan als Friedensstifter und Ratgeber wirkt.

Dorothee nur als verlassene Ehefrau oder opferbereite Gattin zu sehen, würde ihr nicht gerecht. Sie kommt uns allen gesellschaftlichen Zwängen und zugemuteten Lebenswenden zum Trotz entgegen als selbstbestimmte Frau, die bereit ist, sich verpflichten und binden zu lassen und sich darin treu bleibt. Sie kann uns deshalb heute Vorbild diesbezüglich sein, was Verbindlichkeit bedeutet und dass es sich lohnt, sich zu engagieren!

Nadia Rudolf von Rohr

Siehe: Niklaus Kuster / Nadia Rudolf von Rohr (2017): Fernnahe Liebe, Niklaus und Dorothea von Flüe. Ostfildern.

Dorothee mit drei ihrer jüngsten Kinder. Bronzestatue beim Turm der Sachsler Pfarrkirche von Rolf Brem 1991, gestiftet vom Schweizerischen Verband Katholischer Bäuerinnen. (© Bruder-Klausen-Stiftung Sachseln)
21. April 2017 | 07:10
von Bruder Klaus und Gefährten
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