Bruder Klaus und Gefährten

Karfreitag und Ostern bei Niklaus von Flüe

Niklaus von Flüe erlebte gute und schlechte Zeiten, wie dies bei uns allen der Fall ist. Schwierig waren die Jahre der Krise und Entscheidung von 1465 bis zum Abschied von seiner Familie am 16. Oktober 1467 und darüber hinaus, bis er im Ranft sein Ziel gefunden hatte sowie von der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit als Eremit akzeptiert und von den Leuten geachtet wurde.

Während der ersten eineinhalb Jahre im Ranft blieb Bruder Klaus nicht von Prüfungen verschont, untersuchte doch zuerst die Obwaldner Obrigkeit im Rahmen einer einmonatigen Abriegelung, ob Bruder Klausens Nahrungslosigkeit wirklich den Tatsachen entsprach oder auf bewusste Täuschung zurückzuführen war. Das Zweite wäre ohne genaue Überprüfung für Obwalden ein Fiasko sondergleichen gewesen. Nachdem die weltliche Behörde festgestellt hatte, dass alles mit rechten Dingen zuging, wollte sie sich aber noch kirchlicherseits absichern. Der Konstanzer Weihbischof Thomas Weldner stellte deshalb Bruder Klaus auf die Probe, indem er dem Einsiedler befahl, drei Stück Brote und Johanniswein zu trinken, was dieser im Gehorsam tat, aber nur unter grössten Schwierigkeiten (vgl. Blogeintrag vom 3. April 2017). Nur auf Bitten der anwesenden Zeugen, die um das Leben Bruder Klausens fürchteten, liess der Weihbischof von seinem Versuch ab. Diese Teufelsprobe genannte Überprüfung muss für Niklaus von Flüe ein nicht nur physisch, sondern auch im übertragenen Sinne ein äusserst schmerzhaftes Erlebnis gewesen sein: Karfreitag also!

Thomas Weldner anerkannte danach das Wunderfasten von Bruder Klaus, welches den Ruf des Einsiedlers weit über die Schweiz hinaus verbreitete. Und er weihte am 27. April 1969 die von den Landsleuten Bruder Klausens erbaute Ranftkapelle ein, die 1470 zusätzlich mit einem von 16 Kardinälen verliehenen römischen Ablass gewürdigt wurde. In der Weiheurkunde vom 27. April 1469 legte Weihbischof Weldner ausserdem fest, dass Bruder Klaus nach seinem Tod in seiner Pfarrkirche St. Theodul in Sachseln beerdigt werden soll.

Die Weihe der oberen Ranftkapelle, der Ablass und die Festlegung, dass Bruder Klaus als Laie in seiner Pfarrkirche beerdigt werden soll, das waren Geschenke, die Niklaus von Flüe die vorgängige Karfreitagsstimmung vergessen liess, und beim Eremiten wohl den Eindruck erweckten, als ob Weihnachten und Ostern zusammenfallen würden: Niklaus von Flüe wusste nun, wohin er gehörte, seine Lebensform war weltlich und kirchlich anerkannt, und dank seiner eigenen Kapelle wurde sein Traum Wirklichkeit, dass die Messe  seine Nahrung  sogar im Ranft gefeiert werden konnte.

 Urban Fink-Wagner, Inländische Mission

Literatur: Durrer (1917), 37, 64, 260 f.; Amschwand (1987), 177 f.; zur Grabstätte ebd., 280 ff.

Bleiglasfenster in der Gut-Hirt-Kirche in Zug: Niklaus von Flüe 1417–1487 (Foto: Karte mit dem Bruderklausengebet der Stadtzuger Pfarreien)
16. April 2017 | 00:03
von Bruder Klaus und Gefährten
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