«Wo Sie wollen, nur nicht bei der Ritenkongregation!»
Gleich nach Errichtung des «Consilium ad exsequendam Constitutionem de sacra Liturgia» stellte sich die Frage nach ihrem Sitz. Der Kardinalstaatssekretär beantwortete eine entsprechende Anfrage Bugninis eindeutig: Überall, aber nicht bei der Ritenkongregation. Also hielt man nach anderen Räumlichkeiten Ausschau und wurde bald fündig. Man bezog die zwei Räume im vierten Stock des Päpstlichen Hospizes von Santa Maria, die der Konzilskommission für die Liturgie zugewiesen, aber zuvor nicht benutzt worden waren.
«Nach und nach belegte [das ‹Consilium›] die ganze Etage. In diesen Zimmerchen, gleichsam verloren zwischen Himmel und Erde, und im Pilgersaal zu ebener Erde, der zur gemeinsamen Benutzung zur Verfügung stand, wurde die Liturgiereform bis November 1969 durchgeführt; damals wurde nämlich das ‹Consilium› in die Gottesdienstkongregation umgewandelt, und es wurde dieser das helle und weitläufige vierte Stockwerk im Palazzo delle Congregazioni, an der Piazza Pio XII., n. 10, zugewiesen».
Der vierte Stock im Hospiz von Santa Maria stellte für die Durchführung der Liturgiereform einen denkwürdigen Ort dar, denn man konnte von dort die gewaltige Baustelle überblicken, auf der die Audienzhalle entstand. Just zu dieser Zeit wurden die alten Bauten um das Oratorium von St. Peter abgerissen. «Presslufthämmer trieben bis in die Tiefe von 60 bis 70 Meter die mächtigen Pilaster aus Eisenbeton, die die wuchtige Deckenkonstruktion des Architekten Nervi tragen sollten. Tag um Tag, fünf Jahre hindurch, sahen wir die schlanken und zugleich kräftigen Rippen der gigantischen Konstruktion wachsen».
Bugnini dazu: «Zwei Baustellen in nächster Nähe, beide für das Gottesvolk bestimmt, beide sprechendes Symbol und ermutigende Realität».
(Birgit Jeggle-Merz; Zitate aus: Annibale Bugnini: Die Liturgiereform. 1948-1975. Zeugnis und Testament. Freiburg i.Br.: Herder, 1988, 75f)
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