Ohne Nahrung: eine leere gedrechselte Holzschale aus Costa Rica. (© Ceibadesign)
Bruder Klaus und Gefährten

Heilig wegen Nahrungslosigkeit?

Nadja Rudolf von Rohr hat das Total-Fasten von Bruder Klaus bereits früher gewürdigt (Blogeintrag vom 13. März 2017). Ich stellte dieses Fasten in einen Zusammenhang mit der Eucharistie, die ihn geistig ernährte, vielleicht ohne dass er das Altarsakrament überhaupt materiell durch die Hostie konsumiert hat (also eine «geistliche Kommunion») (vgl. dazu meinen Blogeintrag vom 13. März 2017).

Dass Totalfasten von Bruder Klaus wurde durch die Obwaldner Behörden mittels einer einmonatigen Totalüberwachung überprüft. Um sicher zu gehen, riefen diese auch die kirchliche Behörde zu Hilfe. Der Konstanzer Weihbischof Thomas Weldner stellte Bruder Klaus auf die Teufelsprobe, indem er dem Einsiedler befahl, drei Stück Brote und Johanniswein zu trinken, was dieser im Gehorsam tat, aber unter grössten Schwierigkeiten. Die Gefahr, am Johanniswein und den Bissen zu ersticken, wurde von einem der Zeugen dieser Probe, wohl nicht Adrian von Bubenberg direkt, mit der Drohung gebannt, dass, wenn Niklaus an diesen Bissen sterben sollte, auch das Leben des Weihbischofs verkürzt werde. Das war eine gewagte Aussage, die damals höchst unerfreuliche Folgen für diesen Zeugen hätte haben können.

Thomas Weldner anerkannte die Nahrungslosigkeit von Bruder Klaus, die den Ruf des Einsiedlers weit über die Schweiz hinaus verbreitete. Die Nahrungslosigkeit wird in der Bruderklausenliteratur im Wesentlichen nur von Pirmin Meier bestritten, und zwar mit Argumenten, die mir als Historiker und Theologe nicht plausibel erscheinen.

Die Nahrungslosigkeit von Bruder Klaus war zweifellos der Hauptgrund, warum er bereits zu Lebzeiten als Heiliger verehrt wurde. Ein zweiter Grund war sicher die Fähigkeit von Bruder Klaus zur Vermittlung und Friedensstiftung, wie dies durch viele Beispiele belegt ist. So wurde er zur reichen Nahrung für zahlreiche Besucher.

Nahrungslos zu leben war für Bruder Klaus sicher eine grosse, ja riesige Belastung, zumindest in den Anfangszeiten seines Einsiedlerlebens. Denn wer nicht mehr isst, fällt irgendwie aus der Gemeinschaft. Wir wissen, dass der Kontakt von Bruder Klaus zu seiner Familie auch im Ranft weiterbestand und seine Frau Dorothee Bruder Ulrich mit Essen versorgte: Vielleicht eine Ersatzhandlung, weil sie ihrem Ehemann diesen Liebesdienst nicht mehr erweisen konnte. Niklaus Kuster und Nadia Rudolf von Rohr bringen in ihrem kürzlich erschienenen Buch sehr schön in Worte, was das Wunderfasten existentiell und in der Beziehung zu den Menschen bedeutet haben kann.

Nahrungslos zu leben etwas anderes als Fasten war eine Gabe, die Niklaus von Flüe sicher nicht selbst gewählt hat, sondern ihm aufgegegeben war und die er nach dem wichtigen Gespräch mit seinem Beichtvater Oswald Ysner als Gnade Gottes erkennen und annehmen konnte.

Im Selig- und Heiligsprechungsprozess wurde selbstverständlich das fast zwanzigjährige Fasten immer erwähnt, im Zusammenhang mit andern Wundern, die auf Bruder Klaus zurückzuführen seien. Welche Bedeutung der Nahrungslosigkeit im Selig- und Heiligsprechungsprozess von Niklaus von Flüe zukommt, wird später noch dargelegt.

Urban Fink-Wagner, Inländische Mission

Literatur: Gröbli (1991), 132 f., 213–216; Meier (1995), 58–80; Kuster-Rudolf von Rohr (2017), 75–83.

Ohne Nahrung: eine leere gedrechselte Holzschale aus Costa Rica. (© Ceibadesign)
3. April 2017 | 00:02
von Bruder Klaus und Gefährten
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