Französisch-deutsche Besorgnisse
«In Frankreich ärgern wir uns über das Kapitel ‹De Beata› [über die selige Jungfrau Maria]. Der Titel, der vom Heiligen Vater gewünscht wird [‹Mutter der Kirche›] ist nicht traditionell und scheint die Jungfrau der Kirche gegenüber zu stellen, statt sie zu integrieren» (Dö 552), so berichtet der Koadjutorbischof Léon Arthur Elchinger, der die Verbindung der französischen mit den deutschen Bischöfen pflegen sollte, mit einem Brief vom 3. Februar 1964 Kardinal Döpfner.
Ausserdem müsse man das Schema XVII im Auge behalten. Es dürfe nicht sein, dass die Kirche den Eindruck erwecke, eine Antwort auf alles zu haben. Sie solle sich vor der Welt eher als diejenige darstellen, die von ihren eigenen Gewissheiten her auf der Suche ist.
Schliesslich teilt Elchinger Döpfner die grosse Enttäuschung der französischen Bischöfe über das Motuproprio Sacram Liturgiam mit. «Man muss um jeden Preis erreichen, dass die Bischöfe der verschiedenen Länder die vorläufigen Übersetzungen des Messbuchs und des Breviers approbieren können» (Dö 552). Von französischer Seite solle der Erzbischof von Rouen Joseph Martin einen entsprechenden Vorstoss in Rom machen, und Elchinger schlägt vor, dass Ähnliches von deutscher Seite aus geschieht.
Döpfner ist hinsichtlich des Motuproprio ohnehin selbst schon alarmiert. Am selben Tag wie Elchinger schreibt er im Brief an Carlo Colombo: «Da ist weniger der Geist des Konzils als der der römischen Kurie spürbar» (Dö 555). In einem Brief vom 15. Februar 1964 wird er Elchinger in dessen Einschätzungen Recht geben und ihm mitteilen, er habe bereits Kardinal Lercaro geschrieben, «ob sich nichts tun lasse, die Nr. 9 [… über die Kompetenz der Bischöfe betr. der muttersprachlichen liturgischen Bücher], die am meisten Missfallen erregt, ausser Kraft zu setzen. Vielleicht werden auch wir Schritte unternehmen» (Dö 567).
(emf)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


