Ein Konzil braucht Zeit
«Drakonische Reduktionen» sind geplant, so hört bzw. deutet es Yves Congar an einer Zusammenkunft mit Bischöfen am 22. Januar 1964. Manche Schemata sollen auf drei Seiten reduziert werden, viele werden von der Tagesordnung des Konzils genommen werden (vgl. Co 2,7f).
Einige Tage später ist Yves Congar in Rom und vernimmt Details des sog. Döpfner-Plans – und ist entsetzt. Auch er wünscht sich, dass die dritte Session die letzte ist. Der Elan droht verloren zu gehen. Doch es scheint Congar technisch gesehen unmöglich, das Konzil in nur noch einer Session zu Ende zu führen (vgl. Co 2,8). Die Detailplanung, die Döpfner vorgesehen habe, forderten Massnahmen, die «von einer Brutalität und schlussendlich von einem völligen Mangel an konziliarem Geist» geprägt seien. In drei Sitzungen solle man über die Kirchenkonstitution abstimmen, obgleich es nur 5-6 Abstimmungen pro Sitzung geben könne! «Wie kann er so denken, wenn man um die Bedeutung dieses Textes weiss, von dem man hinterher nicht sagen können sollte, dass er durchgesetzt worden ist, ohne dass die Minorität ihre Gründe zu Gehör bringen konnte? Wie kann Kardinal Döpfner nicht sehen, dass die Hauptsache des Konzils nicht ist, über Texte abzustimmen, sondern einen neuen Geist und ein neues Bewusstsein zu entwickeln, und DASS DAS ZEIT BRAUCHT? Warum sieht er nicht die tiefe anthropologische Realität eines Konzils, die ihr Gewicht und ihre Anforderungen hat?» (Co 2,13).
(emf)
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