Konzilsblogteam

Willensbildung in der Konzilsaula

Wie kann eine Konzilsversammlung von über 2000 Bischöfen zu einer Willensbildung finden? Mit dieser Frage befassen sich Verbesserungsvorschläge für die Geschäftsordnung, wie Kardinal Döpfner sie von dem Kirchenrechtler Klaus Mörsdorf erbeten hat.
In einem Brief vom 14. Januar 1964 trägt Klaus Mörsdorf erste Einschätzungen vor, die als Kernfrage «die Integration der Willensbildung der Generalkongregationen» ausmachen. In diesen Konzilsversammlungen würden «gemeinhin Monologe gehalten»; es komme nicht zum Dialog, der allein eine wirkliche Willensbildung ermöglichen würde. «Die in den Generalkongregationen zu leistende Arbeit wird zu leicht genommen, wenn hier im allgemeinen nur Votum an Votum gereiht und von der zuständigen Kommission eine beschlussreife Vorlage erwartet wird. Die Generalkongregation selbst muss sich um eine Integration ihrer Arbeit bemühen» (Dö 542). Letztlich geht es hier auch um die Frage, wie besser gewährleistet werden kann, dass die Kommissionen bei der Redaktion der Konzilstexte den (Mehrheits-)Voten der Konzilsväter auch wirklich entsprechen.
Doch wie? In weltlichen Parlamenten geschehe dies durch Fraktionsbildung, wie sie beim Konzil nicht in Frage komme. Mörsdorf meint jedoch, es müsse eine «Bildung von Meinungsgruppen ad hoc» erreicht werden. Mörsdorf will dies dadurch fördern, dass die Konzilsväter ihre Voten einige Tage vorab kurz zusammengefasst einreichen müssen. Unter Leitung der Moderatoren sollen Konzilsväter, die ähnliche Anliegen vertreten, in Gruppen zusammenkommen, um einen Sprecher für ihr Anliegen zu wählen. Mörsdorf sieht jedoch selbst, dass dieses Verfahren sehr aufwändig wäre.
(emf)

14. Januar 2014 | 00:36
von Konzilsblogteam
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