Konzilsblogteam

Was war zuerst?

Was war zuerst, das Huhn oder das Ei? In Bezug zum Zweiten Vatikanischen Konzil stellt sich die Frage auch bei der Ökumene: War es Ökumene von oben oder Ökumene von unten. Die richtige Antwort dürfte für die Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils gut katholisch lauten: Beides war «gleichzeitig», sowohl die Ökumene von unten wie auch die Ökumene von oben.
Ein schönes Beispiel dafür ist ein Artikel in der «Schweizerischen Kirchenzeitung» vom 16. Januar 1964 mit dem Titel: Ist das Schweizer Volk noch gläubig?
Unter diesem Titel veröffentlichte ein nicht mehr eruierbarer Autor u.a. folgende Zeilen, die einen instruktiven Einblick in die ökumenische Entwicklung vor 50 Jahren geben. Diese Zeilen beziehen sich auf eine Diskussion, die am 1. Januar 1964 am Schweizer Radio ausgestrahlt wurde: «ein Gespräch zwischen Dr. Peter Vogelsanger, Prof. Eduard Schweizer, Pfarrer Dr. Josef Bommer, alle Zürich, und Prof. Dr. Paul Kamer, Schwyz. Dieser gemeinsame Rückblick von je zwei evangelischen und zwei katholischen Theologen zeigte, wie das Reich Gottes auch in unserem Land trotz mancher Schwierigkeiten weiter wächst, vor allem im stillen. Das Beglückendste an diesem Gespräch aber war der brüderliche Ton und das gegenseitige Verständnis, die auf eine Annäherung im ökumenischen Geist schliessen lassen. Die Verantwortung tragen, wie Pfarrer Vogelsanger mit Recht bemerkte, nicht nur die Pfarrer, sondern jeder einzelne Christ. Dr. Bommer freute sich, darauf hinweisen zu können, dass durch das Katholische Kirchengesetz des Kantons Zürich und durch das Konzil die Mitverantwortung des Laien auch auf katholischer Seite jetzt wesentlich stärker zum Ausdruck kommt».
Und heute? Auch heute gibt es Schwierigkeiten im Bereich der Ökumene, aber gerade die gestrige Bischofsweihe von Alain de Raemy in der St. Niklaus-Kathedrale in Freiburg i. Ü. war ein starkes Zeichen der Brüderlichkeit und des gegenseitigen Verständnisses, wie dies sowohl katholische wie auch der zu Wort kommende reformierte Amtsträger deutlich machten. Und zum Verhältnis Kirche–Staat, das im SKZ-Artikel im Zusammenhang mit Dr. Bommer, dem späteren Professor für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät in Luzern, erwähnt wird: Die Waadtländer Regierungsrätin Béatrice Métraux, Staatsrätin in einem ehemals weitgehend reformiert geprägten Kanton, nahm als Vertreterin der vier Bistumskantone in ihrer Grussadresse an den neuen Weihbischof sogar Worte von Papst Franziskus in den Mund, um zu betonen, wie wichtig und fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen dem Staat und den Kirchen ist. Ein schönes Symbol dafür war auch, dass unter dem Kreuz im Chorbogen die Fahnen der vier Kantone des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg aufgehängt waren, friedlich neben den Vatikanfarben: Dies und viel anderes wäre vor 100 Jahren noch nicht möglich gewesen, vor 50 Jahren schon eher!
(ufw; vgl. SKZ 132[1964], Nr. 2, 16. Januar 1964, S. 21: Ist das Schweizer Volk noch gläubig?)

12. Januar 2014 | 00:55
von Konzilsblogteam
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