Bruder Klaus und Gefährten

Heiliger Einsiedler und heiliges Ehepaar

Schon länger ist zu beobachten, dass Dorothee immer selbstverständlicher mit dabei ist, wenn von ihrem Mann geredet wird. Je mehr sich nämlich jemand mit den beiden auseinandersetzt, desto deutlicher tritt hervor, dass der «Abschied» kein unilateraler Entscheid gewesen sein kann.

Zwar sprechen die Quellen von Dorothee meist nur indirekt. Das Interesse galt verständlicherweise zuerst dem Einsiedler. Dass sie sich nicht einmal unter den Zeugen findet, deren Aussagen in das Sachsler Kirchenbuch aufgeführt wurden; ja, dass gar ihr Todesdatum im Dunkel liegt, befremdet uns heute schon sehr. Dennoch gewinnt Dorothee mehr und mehr Konturen. Allein ein «doppeltes Ja» (siehe Blog vom 10. Februar 2017) beider Ehepartner zum «Abschied» kann deren weitere fruchtbaren Wege erklären.

Von verschiedener Seite ist deshalb zunehmend die Forderung zu hören, von einem vorbildlichen und heiligen Ehepaar zu sprechen. Zeichen der Zeit, die es zu lesen gilt.

Kein Geringerer als Papst Johannes Paul II, der immer schon die Verehrung zeitgenössischer Glaubensvorbilder förderte und insbesondere heilige Ehepaare suchte, hat diese Entwicklung sanktioniert. Anlässlich seines Besuchs der Schweiz 1984 hörte man ihn in der Sachsler Kirche beten:

«Gott, du Quelle des Friedens (…). Lass uns mit Bruder Klaus und seiner heiligmässigen Frau Dorothea (…) einsehen, dass echte Versöhnung und dauerhafter Friede allein von dir kommt.»

Auch ikonographisch lässt sich diese verlagerte Aufmerksamkeit nachverfolgen. Auf den Punkt bringt es der Vergleich zweier offizieller Gedenkmünzen aus der Hand desselben Künstlers. Hatte Alois Spichtig 1967 das Thema Abschied noch so dargestellt, dass Klaus allein den Bildern der Visionen folgt, so behandelte er dasselbe Thema anlässlich des Papstbesuchs nun so: Dorothee und Klaus quasi egalitär auf derselben Ebene, sie mit dem Schlüssel von Haus und Hof, er mit dem Eremitenstock, dazwischen der sowohl teilende wie einende himmlische Strahl.

Peter Spichtig op

Literatur: Huber (1994), Zitat 269; Gröbli, Roland (2016).

Offizielle Gedenkmünzen zu 500 Jahren Abschied (1967) und Besuch Papst Johannes Paul II. (1984) von Alois Spichtig. (Foto: Alois Spichtig, in: Britschgi [2008], 131)
13. Februar 2017 | 00:02
von Bruder Klaus und Gefährten
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