Paul VI.: Niemals Polemik!
Ende Oktober 1963 überstürzen sich die Ereignisse – es war zuviel für den Konzilsblog, so dass hier noch Nachlese gehalten werden muss.
In der Konzilsaula findet am 29. Oktober die Abstimmung über den Ort der Rede über Maria, am 30. Oktober die verschobene Orientierungsabstimmung über die fünf ekklesiologischen Fragen statt. Zu reden geben aber nicht nur diese Konzilsereignisse, sondern auch eine Ansprache, die Papst Paul VI. am 31. Oktober vor grossem Publikum zur Feier der Eröffnung des Studienjahres an der Lateranuniversität hält. Obwohl der Festredner des Tages Cornelio Fabro eine Lobrede auf die thomistische Philosophie vorträgt, lässt Paul VI. den Thomismus unerwähnt. Das Ende der päpstlichen Rede, die am 2./3. November 1963 im Osservatore Romano veröffentlicht wird, ist eine Ermahnung an den Lehrkörper der Hochschule, mit ihren Attacken und Polemiken aufzuhören. Der Papst setzt seine Hoffnung darauf, dass die Lateranuniversität sich in das Konzert der römischen Fakultäten in brüderlicher Zusammenarbeit, gegenseitigem Respekt und freundschaftlicher Eintracht einbringt, und «niemals mit eifersüchtiger Konkurrenz, niemals mit widerwärtiger Polemik, niemals!» (zit. nach Ry 206).
Den Apostolischen Segen, der «dann» das Wirken der Lateranuniversität begleiten werde, bindet Paul VI. subtil an ein solches Verhalten.
Diese Worte werden zumal von Seiten der Studenten durch frenetischen Applaus begleitet. Congar kommentiert: «Man hat verstanden, dass dies eine Missbilligung der Gesinnung von Mgr. Antonio Piolanti und das Ende der Attacken gegen das Biblicum bedeutete» (Co 1,516).
Die Lateranuniversität hatte sich insbesondere mit Attacken gegen das Bibelinstitut hervorgetan und dafür gesorgt, dass die beiden Professoren Max Zerwick und Stanislas Lyonnet ein Lehrverbot erhalten hatten.
(emf; vgl. auch Lu 2,9)
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