Bruder Klaus und Gefährten

Von nichts kommt nichts

Zum Gedenktag des seligen Heinrich Seuse op (12951366)

Wenn einer allein in die Stille geht, muss nicht zwangsläufig tiefe Mystik daraus erwachsen. Er kann auch fürchterlich scheitern, wenn er sich dort nur um sich selber dreht und sich seinen eigenen «Dämonen» ausgesetzt sieht.

Niklaus von Flües Sehnsucht nach dem «einig Wesen» erwuchs sicher einer ausserordentlichen religiösen Begabung. Aber wie wurde diese Sehnsucht genährt und angeleitet? Dies bleibt zumindest für die ersten zwei Lebensdekaden rätselhaft; seine eigene Pfarrei Sachseln war zwischen 1415 und 1446 verwaist, getauft wurde er in Kerns. Immerhin: Intuition allein können sein gut bezeugtes tugendhaftes Leben als Ehemann, Vater und integeren homo politicus nicht erklären.

Intuition allein erklärt auch nicht «sein gewöhnlich Gebet», das wir alle so lieben. Klaus von Flüe liess sich helfen auf seiner Suche nach Wahrheit und dem «einig Wesen». Wenigstens zwei Namen kann man in diesem Zusammenhang nennen. Heimo Amgrund, Pfarrer in Kriens, ab 1481 in Stans, leitete ihn an, das Leiden Christi zu betrachten und Oswald Ysner, Pfarrer in Kerns, war sein langjähriger Beichtvater seit seiner Rückkehr in den Ranft.

Aus dem überlieferten mystischen Vokabular des Heiligen lässt sich erschliessen, dass er mit Gedankengut der Deutschen Mystik vertraut war. Insbesondere Heinrich Seuses Schriften waren damals verbreitet. Die Priester Ysner und Amgrund waren zweifelsohne sehr gefordert ob dem Glaubensdurst dieses religiös hochbegabten Laien und werden bei Johannes Tauler, eventuell bei Meister Eckehart, sicher aber in Seuses Büchlein der ewigen Weisheit, dem spirituellen «Bestseller» jener Zeit, nachgeschlagen haben.

Der aus Konstanz oder Überlingen stammende Heinrich Suso oder Seuse wurde ab 1323 im Dominikaner-Studium in Köln von der Theologie Meister Eckharts tief geprägt. Die Seelsorge bei Dominikanerinnen am Oberrhein und in der Schweiz (etwa in Winterthur Töss) vertiefte seine feinfühlige mystische Sprache und reicherte sie, stärker als es der spekulative Meister für sich zuliess, mit Bildern an.

Fr. Peter Spichtig op

 

Weiterführende Literatur: Stirnimann (1981), 81 ff.; Gröbli (1990), 168 f.

Heinrich Seuse in einem alten Holzschnitt; Frau Weisheit verehrend, links das Christ-Kind, aus: Alois M. Haas: Kunst rechter Gelassenheit. Themen und Schwerpunkte von Heinrich Seuses Mystik. Bern 1995.
23. Januar 2017 | 00:02
von Bruder Klaus und Gefährten
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