Einsamkeit: Blick vom Flüeli Richtung Ranft mit den Bergen im Hintergrund. (Foto: © Konrad Busslinger, Rex-Verlag Luzern)
Bruder Klaus und Gefährten

Ruf und Umkehr

Busse und Umkehr sind im jüdischen und christlichen Glauben Begriffe und Geisteshaltungen, die wesentlich zum Glauben gehören. So kann das ganze Markus-Evangelium als Ruf zur Umkehr verstanden werden, symbolisiert durch Johannes den Täufer, der am Anfang dieses Evangeliums zu Busse und Neubesinnung aufruft. Umkehr und Umdenken können plötzlich und schnell erfolgen, wie etwa bei Saulus, dessen Bekehrung am heutigen Tag gefeiert wird. Saulus wurde durch ein Berufungserlebnis in Damaskus vom Christenverfolger zum wirkmächtigen Christusverkünder (vgl. Apg 9, 1–19). Umkehr geschieht dabei häufig nicht alleine, sondern mit dem Ratschlag und der Hilfe von Freunden oder Aussenstehenden, bei Paulus mit Hananias.

Umkehr oder Bekehrung kann aber auch über einen längeren Zeitraum geschehen, wie dies bei Niklaus von Flüe der Fall war. 1465 wurde er auf seinen Wunsch aus allen Rats- und Richterstellen entlassen, wobei sein Abschied aus allen öffentlichen Ämtern nicht auf persönliche Misserfolge zurückzuführen ist, sondern auf eine schwere Sinn- und Lebenskrise:

«Als es ihm [= Gott] nämlich gefiel, mich zurückzukaufen und seine Barmherzigkeit an mir zu erfüllen, wandte er die reinigende Feile [siehe oben] an und den antreibenden Sporn, d. h. eine schwere Versuchung, so dass er weder tags noch nachts duldete, dass ich ruhig war, sondern ich war so tief niedergedrückt, dass mir selbst die liebe Frau und die Gesellschaft der Kinder lästig waren. Während ich in diesem Zustand verharrte, kam der vorher erwähnte innig Vertraute und Freund [der damalige Krienser Pfarrer Heimo Amgrund] zu einem besonderen Gespräch zu mir, ihm hatte ich das Geheimnis offen dargelegt. Als wir über allerlei redeten, enthüllte ich ihm meine Beängstigung und Beschwernis. Er brachte darauf verschiedene heilsame Ratschläge und Mittel vor, durch welche er meine Versuchung zu heben hoffte, aber ich erwiderte ihm: Dies und ähnliches hätte ich versucht und keinen Trost gefunden und es hätte nicht im geringsten genützt. Dann erst fügte er noch jenes beste und heilkräftigste Mittel bei: ‹Es bleibe noch die andächtige Betrachtung des Leidens Jesu Christi.› (…). Darauf hielt ich Einkehr in mich und begann die Übung täglich zu erfüllen, in welcher ich aus Barmherzigkeit des Erlösers gegenüber meiner Armut Fortschritte machte. Weil ich aber in viele Geschäfte und weltliche Beamtungen verstrickt war, sah ich, dass ich in der Gesellschaft der Menschen dies weniger andächtig vollbringen konnte. Darum zog ich mich häufig an diesen heimlichen und nahen Ort meiner Leidensbetrachtung zurück (…). Und so verblieb ich zwei Jahre» (Durrer [1917], 38–40).

Die Betrachtung des Leidens Christi wirft den Menschen auf sich selbst zurück. Niklaus von Flüe schulte durch das regelmässige Betrachten des Leidens Gottes sein eigenes Lebensverständnis, was Schmerz und Leiden beinhaltete, aber auch Trost brachte. So fand er den Pfad für seinen zukünftigen Lebensweg.

Urban Fink-Wagner, Inländische Mission

Literatur: Gröbli (1990), 168–170.

Einsamkeit: Blick vom Flüeli Richtung Ranft mit den Bergen im Hintergrund. (Foto: © Konrad Busslinger, Rex-Verlag Luzern)
25. Januar 2017 | 00:02
von Bruder Klaus und Gefährten
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