Ein Bruderklausenrock für das 21. Jahrhundert
Bruder Klaus und Gefährten

Der Bruderklausenrock des 21. Jahrhunderts

Ein neues Kleid für Niklaus von Flüe

Jedem Anfang wohne ein Zauber inne, lehrt uns Hermann Hesse. Ebenso beginnt etwas Neues oft mit einem Kleiderwechsel. Das gilt auch für Niklaus von Flüe. Der Entscheid, als Pilger ins «ellend» (Ausland) zu ziehen, war mit dem Wechsel zum Pilgerrock verbunden, den ihm – als Zeichen ihres Einverständnisses – seine Frau Dorothee gewebt haben soll.

Über 500 Jahre später fragten sich die Basler Professoren Nicolaj van der Meulen und Jörg Wiesel, zusammen mit ihren Studenten der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel, ob Bruder Klaus nicht ein neues Gewand brauche. Das Resultat ihrer faszinierenden Quellen-, Spuren- und Ideensuche führte zu interessanten Feststellungen. Sein Pilgerrock, stellten sie unter anderem fest, sei äusserst modern, da er gender-neutral, weder männlich noch weiblich, ist. Ausserdem exponiert sein kragenloses Gewand den Kopf und verkörpert so ein herrschafts-freies Denken jenseits des herrschenden Ordnungssystems. Und zum Dritten «behielt» Niklaus von Flüe über die Jahrhunderte sein einfaches Gewand, dies im Gegensatz zu vielen anderen Heiligen, deren Gewänder die ursprüngliche Einfachheit abstreiften und deren Träger irgendwann im feinsten und farbigsten Stoff fast «ertranken».

Die Studenten entschieden sich für ein «double face»-Gewand, das also ein gleichwertiges Innen und Aussen besitzt. Eine Seite ist vom Gedanken der Vernetzung der Schweiz mit der Welt geprägt, deren anderen diente die Landschaft von Flüeli-Ranft als Inspiration (siehe Bild). Mit diesem Rock, so Nicolaj van der Meulen und Jörg Wiesel in ihrem Beitrag im offiziellen Gedenkbuch, ging es darum, «ein Gewand zu entwickeln, welches … mit der Wirkungskraft eines Bruder Klaus-Rocks ausgestattet sein sollte, … [es] sollte Akteur innerhalb eines sozialen Prozesses sein und als fertiges Vestiment den Entwurf für eine integrative, vernetzte und offene Schweiz anbieten.» Die Hochschule lädt so auf unerwartete Weise zu einer spannenden Auseinandersetzung ein.

Roland Gröbli

Siehe auch: Nicolaj van der Meulen und Jörg Wiesel, Die Schweiz braucht ein neues Gewand: Ein Bruder-Klausen-Rock für das 21. Jahrhundert, in: Gröbli (2016), 266–271.

Die Auseinandersetzung mit dem Gewand von Bruder Klaus entstand im Rahmen des Ideenwettbewerbs «morgen? Die Schweiz. demain? La Suisse» von Bundesrätin Doris Leuthard (Ausstellung eröffnet am 15. September 2014). Der Rock steht für Ausstellungen zur Verfügung. Kontakt: nicolaj.vandermeulen@fhnw.ch.

 

Ein Bruderklausenrock für das 21. Jahrhundert | (© Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW, Institut Ästhetische Praxis und Theorie)
13. Januar 2017 | 00:02
von Bruder Klaus und Gefährten
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