Konzilsblogteam

Der historischen Wahrheit nicht ausweichen, auch wenn sie bitter ist

Wie eine Art neue Erbsünde werden in den Missionsgebieten die Folgen der Kirchenspaltung in ihrer ganzen Schädlichkeit erlitten, so äussert der tansanianische Kardinal Laurean Rugambwa am 19. November 1963 in der Konzilsaula (vgl. AS 2/5,555-557). Deswegen habe man in seiner Heimat die Ökumenische Bewegung schon in ihren früheren Phasen begrüsst. Umso mehr würdigt er den konziliaren Schritt zur Ökumene und unterstreicht die Notwendigkeit der Erneuerung der Kirche und das Bemühen um Zusammenwirken mit anderen Christen.
Bischofskoadjutor Arthur-Léon Elchinger von Strasbourg (vgl. AS 2/5,562-566) drängt auf die ehrliche Aufarbeitung der Geschichte. Er zitiert dafür Papst Leo XIII., der bei der Eröffnung des Vatikanischen Archivs gesagt habe, die historische Wahrheit sei anzuerkennen, auch wenn sie bitter sei.
Elchinger scheut sich nicht, in dieser Hinsicht mit drei Beispielen sehr konkret zu werden:
Im Ursprung der Spaltungen des 11. wie des 16. Jahrhunderts stünden Einsichten in Grundwahrheiten der göttlichen Offenbarung, die auf katholischer Seite z.T. auch von Hirten der Kirche geringgeschätzt worden seien.
In den Anfängen der Ökumenischen Bewegung seien die Katholiken, die sich darin hätten engagieren wollen, angefeindet worden, u.a. sogar der Purpurträger Kardinal Mercier in seinem Dialog mit dem Anglikaner Halifax.
Schliesslich sei es problematisch, dass nichtkatholische Exegeten sich grösserer Freiheit erfreuen könnten als katholische Exegeten, wie z.B. Pater Lagrange mit der Bibelschule in Jerusalem.
Die Rede Elchingers endet mit dem Plädoyer, Einheit dürfe nicht mit Uniformität verwechselt werden. Darum sei es legitim, wenn nichtkatholische Christen denselben Glauben in ihren Lehraussagen anders ausdrücken oder in anderen Riten und Gebeten vollziehen.
(emf)

19. November 2013 | 00:03
von Konzilsblogteam
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