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28. Juni 1914: Das Attentat in Sarajevo als Schock – wie 9/11

Die Ermordung des habsburgischen Thronfolgers Franz Ferdinand und dessen Gattin in Sarajevo durch den serbischen Gymnasiasten Gavrilo Princip war nicht die Ursache, sondern nur Auslöser für den Ersten Weltkrieg, dessen Folgen nicht unerheblich waren für den noch schlimmeren Zweiten Weltkrieg. An dieser «Urkatastrophe», dem ersten industrialisierten Krieg, waren viele schuld, wie der australische Historiker Christopher Clark pointiert feststellt: Die Entscheidungsträger der europäischen Grossmächte waren «Schlafwandler, wachsam, aber blind, von Albträumen geplagt, aber unfähig, die Realität der Greuel zu erkennen, die sie in Kürze in die Welt setzen sollten» – und auch sogenannt katholische Staaten begingen Kriegsverbrechen unvorstellbaren Ausmasses. Das Attentat vor 100 Jahren machte den Weg frei für vorher undenkbare Grausamkeiten, Menschenleid und unvorstellbare Menschenverluste (ca. 8’900’000 Soldaten und etwa 6,5 Mio. zivile Opfer). Das Attentat traf nicht nur die Habsburger Staatsidee, denn Franz Ferdinand hätte wohl sein Reich zu den Vereinigten Staaten von Österreich umgewandelt, sondern der Erste Weltkrieg ist bis heute spürbar. Die baltischen Staaten wurden erst nach dem Ersten Weltkrieg geschaffen, auch die Ukraine ist gewissermassen ein Geschäft dieses Krieges, ebenso die Strukturen und Konflikte im Nahen Osten.
Der Erste und Zweite Weltkrieg hatte auch auf die katholische Kirche grosse Auswirkungen. Viele Diskussion am Konzil wären ohne die beiden Weltkriege wohl anders gelaufen, als dies tatsächlich der Fall war – wir werden mit mehreren Beitragen darauf zurückkommen.
(ufw; Neue Zürcher Zeitung Fokus Nr. 56: Schwerpunkt-Dossier Erster Weltkrieg. Die grosse Katastrophe und ihre Folgen. NZZ 2014; Christopher Clark: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog. München 102013.)

28. Juni 2014 | 00:20
von Konzilsblogteam
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